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Verbesserte Diabetes-Behandlung. Studie des Instituts für Allgemein,- Familien- und Präventivmedizin präsentiert
10.12.2009
Verbesserte Diabetes-Behandlung. Studie des Instituts für Allgemein,- Familien- und Präventivmedizin präsentiert
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Institut für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin

Forschung

Evaluationsstudie DMP Diabetes
In Österreich wurde Anfang 2006 die Einführung eines Disease-Management-Programms (DMP) für Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 beschlossen. Da die Datenlage zur Effektivität derartiger Programme international unzureichend ist, wurde vom Institut für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin der Paracelsus Universität angeregt, die Einführung des DMP durch eine randomisiert-kontrollierte klinische Studie zu begleiten. Nach Verhandlungen mit den Vertretern der Sozialversicherung und insbesondere des Hauptverbandes sowie intensiver Bemühungen um Sponsoren (Salzburger Sparkasse, Fa. Roche Diagnostics) für die Durchführung der Studie ist es gelungen, die Einführung des DMP im Land Salzburg seit Juli 2007 mit der Studie zu verknüpfen.

Das Studienprotokoll wurde 2006 fertig gestellt und bei der Ethikkommission des Landes Salzburg vorgestellt und genehmigt. Die Studie wurde unter der Nummer ISRCTN27414162 bei Current Controlled Trials Ltd. registriert. Das Studienprotokoll wurde Anfang 2008 in der internationalen Fachzeitschrift „Trials“ publiziert (siehe Publikationsverzeichnis). 

Von April bis Juni 2007 erfolgte die Rekrutierung der Ordinationen. 98 der 271 niedergelassenen Allgemeinmedizinern und Internisten im Land Salzburg haben sich bereit erklärt, an der Studie mitzuwirken. Von Juli bis Oktober 2007 wurden fast 1500 Patienten in die Studie aufgenommen. Die Salzburger DMP-Studie ist damit eine der größten randomisiert-kontrollierten Untersuchungen, die jemals zum DMP durchgeführt wurden und die Ergebnisse werden mit Spannung erwartet. 

DMP Follow-up
Nach dem Abschluss der randomisiert- kontrollierten Studie zur Evaluation des DMP-Diabetes werden die Studienteilnehmer im Rahmen einer mehrjährigen Follow-up-Studie weiter beobachtet werden, um Langzeitauswirkungen des DMP auf die Stoffwechselkontrolle und Komplikationsrate zu untersuchen. Diese Studie wurde im ersten Jahr vom Jubiläumsfonds der österreichischen Nationalbank gefördert.

DISMEVAL
Developing and validating disease management evaluation methods for European health care systems http://www.dismeval.eu/ 

Das DISMEVAL Projekt führt ein multidisziplinäres Team von 10 Partnern aus 7 europäischen Ländern (Deutschland, UK, Frankreich, Spanien, Niederlande, Dänemark und Österreich) zusammen. Das Projekt läuft im Auftrag der Europäischen Kommission (7. Rahmenprogramm Gesundheit). Schwerpunkte und Ziele von DISMEVAL sind die Beleuchtung bestehender Versorgungsansätze (Disease Management Programme) chronisch Erkrankter in verschiedenen europäischen Ländern bzw. Gesundheitssystemen. Es werden verschiedene Ansätze der Evaluation solcher Disease Management Programme erhoben, getestet und validiert, um dann Empfehlungen für Forscher und Verantwortliche im Gesundheitswesen entwickeln zu können. Das Projekt wurde in Österreich durch eine Anschubfinanzierung der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) gefördert. Offizieller Projektbeginn war der 1.1.2009. Die Projektlaufzeit beträgt drei Jahre.

„Aktivtreff Diabetes“
Disease Management Programme (DMPs)für Diabetes alleine zeigen bisher nur geringe Effekte auf bestehende Versorgungsdefizite. Selbstmanagement und Peer Support gelten als vielversprechende, neue Ansätze in der Diabetesbehandlung. In der „Aktivtreff Diabetes“-Studie soll ein auf Selbstmanagement aufgebautes Peer Support Programm evaluiert werden. Die TeilnehmerInnen werden in Gruppen, die von geschulten DiabetikerInnen ("peers") geführt werden, gemeinsam sportlich aktiv sein und diabetesbezogene persönliche, soziale und emotionale Probleme erörtern. Die Gruppen treffen sich einmal pro Woche zur Bewegung mit Unterstützung von speziell geschulten Sportinstruktoren. Zweimal pro Monat haben die Gruppen die Möglichkeit, in Gesprächsrunden Probleme zu erörtern. Dafür wird bei Bedarf professionelle Hilfe von Ärzten, Diätassistenten, Psychologen und Sportinstruktoren zur Verfügung gestellt.

„Aktivtreff Diabetes“ ist für die Teilnehmenden kostenlos und wird im ganzen Bundesland Salzburg den Teilnehmer des DMP „Therapie aktiv“ angeboten. Die Studie ist eine Cluster-randomisierte, kontrollierte Interventionsstudie mit Allgemeinpraxen als Cluster. Pro teilnehmender Ordination wird ein Peer Supporter nach einem standardisierten Programm ausgebildet. Die Kontrollgruppe erhält „Usual Care“ im Sinne einer leitliniengerechten Diabetes-Versorgung im Rahmen des bestehenden DMPs. Primärer Zielpunkt ist die HbA1c-Senkung in der Interventionsgruppe. Sekundäre Zielpunkte sind verbesserte Selbstwirksamkeit im Diabetes-Management, höhere Lebensqualität, Reduktion kardiovaskulärer Risikofaktoren, Gewichtsreduktion, Raucherentwöhnung und Kostensenkung in der Interventionsgruppe.

Das Projekt wird von der Internationalen Diabetes-Foundation gefördert und in Kooperation mit AVOS (Arbeitskreis für Vorsorgemedizin Salzburg) durchgeführt. Die Studie wurde im Juni 2010 gestartet und hat eine Laufzeit von drei Jahren.

Rechercheservice Evidenzbasierte Medizin (REM)
REM ist ein evidenzbasiertes Frage-Antwort-Service für niedergelassene Ärzte. Das Projekt möchte einen Beitrag dazu leisten, evidenzbasierte Medizin vermehrt in den Praxisalltag zu implementieren. Ermöglicht wird REM durch eine Kooperation mit der Fa. Actavis Österreich.
Durch dieses Point-of-Care-Tool können Fragen, die bei der Patientenbetreuung entstehen, über die REM-Internetplattform an das Institut weitergeleitet werden. Ein eigenes Team, bestehend aus Medizinern mit vertiefter Ausbildung in evidenzbasierter Medizin, beantwortet diese Anfragen auf Basis der aktuell besten verfügbaren Evidenz.
REM kann mittlerweile auf eine mehrjährige Erfolgsgeschichte zurückblicken. Seit dem Start im Juli 2007 wurden etwa 600 Anfragen bearbeitet. Eine Evaluierung des Projektes zeigte, dass REM ein hilfreiches Service ist, dem großes Vertrauen entgegengebracht wird. 2009 wurde REM durch das Deutsche Netzwerk EbM mit dem David-Sackett-Preis für Praxisimplementierung für herausragende und nachhaltige Leistungen auf dem Gebiet der evidenzbasierten Medizin ausgezeichnet.

Präoperative Diagnostik
Es ist bekannt, dass bei Patienten vor operativen Eingriffen im Rahmen der so genannten präoperativen Diagnostik eine Vielzahl unnötiger Untersuchungen und Doppeluntersuchungen (z.B. von Hausarzt und Klinik) durchgeführt werden. Dies führt nicht nur zu unnötigen Ausgaben für das Gesundheitssystem sondern auch zur unnötigen Belastung der Patienten. Bisher wurde dies nicht quantifiziert. In Zusammenarbeit mit der Abteilung für Anästhesiologie des Krankenhauses Schwarzach führte das Institut für Allgemeinmedizin eine Studie zur Erfassung und Quantifizierung der präoperativen Diagnostik durch. Es wurden Daten von fast 1400 Patienten erhoben, die im Krankenhaus Schwarzach operiert wurden. Die Erhebung wurde im Dezember 2007 abgeschlossen. Die Publikation der Ergebnisse ist derzeit in Bearbeitung. Die Erkenntnisse der Studie fließen auch in die Evaluation des seit 1. Jänner 2008 im Bundesland Salzburg laufenden Reformpoolprojekts zur Optimierung und Rationalisierung der präoperativen Diagnostik durch die web-basierte Leitlinie PROP ein. Der im Auftrag des Salzburger Gesundheitsfonds erstellte Evaluationsbericht über die Daten aus diesem Reformpoolprojekt wird gerade fertig gestellt. Um die Auswirkungen der Leitlinie PROP noch weiter quantifizieren zu können wurde eine Folgestudie nach Leitlinieneinführung im Krankenhaus Schwarzach durchgeführt. Die Datenerhebung wurde im Jänner 2010 abgeschlossen.

Medikationsfehler in der Allgemeinmedizin
Die LINNEAUS Euro-PC Zusammenarbeit ist eine Koordinierungsmaßnahme, die vom 7. Rahmenprogramm der Europäischen Union gefördert wird, um Defizite hinsichtlich der Patientensicherheit in der Primärversorgung zu adressieren. Das Projekt ist in neun Arbeitspakete gegliedert (für Details: http://www.linneaus-pc.eu/) und die Paracelsus Medizinische Privatuniversität konzentriert sich dabei auf Fehler bei der Medikation in der primären Gesundheitsversorgung. Ziel der Zusammenarbeit ist es, eine angewandte Forschungsagenda zu erstellen, welche das Verständnis für vermeidbare unerwünschte Arzneimittelwirkungen in der Primärversorgung erhöht. Zwischen den teilnehmenden europäischen Ländern soll es zu einem Austausch von Daten über die Epidemiologie und Ursachen dieser Ereignisse kommen. Ein weiterer Fokus des Projektes liegt auf der Identifizierung von Interventionen, die die Arzneimittelsicherheit in der primären Gesundheitsversorgung verbessern können. Die Evaluierung dieser Interventionen in Hinblick auf ihre Kosten und ihren Nutzen soll eine Verbesserung der Medikamentensicherheit zusätzlich forcieren. Zusätzliche Informationen können durch Kontaktaufnahme mit der Projektleiterin Dr. Stephanie Taché (stephanie.tache@pmu.ac.at) zur Verfügung gestellt werden.