Paracelsus - Wegbegleiter der pharmazeutischen Chemie
Ein Portrait von Romana Mikes
„Seit September 2004 studiere ich hier in Salzburg und in dieser Zeit habe ich schon oft den klingenden Namen "Paracelsus Medizinische Privatuniversität" gehört oder selbst gesagt. Doch wer war Paracelsus eigentlich? Ich dachte mir, es wäre an der Zeit ein wenig über den Namensgeber meiner Universität herauszufinden. Die Recherchearbeit machte mir großen Spaß, hier ein Auszug meiner Ergebnisse.“
Werdegang eines Kritikers der versteiften Schulmedizin
Philippus Aureolus Theophrastus Bombast von Hohenheim wurde um den 10 November 1493 in Einsiedeln in der Schweiz geboren. Schon in seiner Kindheit machte er erste Kontakte mit der Medizin und Chemie - wollte er doch in die Fußstapfen seines Vaters Wilhelm Bombast von Hohenheim, Arzt und Chemiker schwäbischen Niederadels, treten. Von seiner Mutter, einer Leibeigenen des Klosters Einsiedeln ist weiter nichts bekannt. Man nimmt an, dass sie bereits in Paracelsus Kindheit gestorben ist.
Nachdem Paracelsus einige Zeit von seinem Vater unterrichtet wurde, ließ sich dieser um 1502 in Villach nieder, wo sein Sohn humanistische und theologische Grundkenntnisse erwarb. 1507 verließ Paracelsus schließlich Kärnten um Philosophie und Medizin an diversen deutschen Universitäten zu studieren. Schon damals übte er vehemente Kritik an erfahrenen Ärzten und kränkte zahlreiche seiner Lehrer durch seine skeptischen Ansichten und unkonventionelle, direkte Art. Nichtsdestotrotz erwarb er 1510 in Wien den Grad des Bakkalaureus der Medizin.
Wegen seiner Unzufriedenheit mit den deutschen Universitäten ging er bereits drei Jahre später nach Ferrara um dort um 1516 zu promovieren. Selbst sein Name, den er um 1516 annahm und der soviel wie "über Celsus stehend" bedeutet, ist Ausdruck seiner Missachtung und Ablehnung der damaligen, versteiften Schulmedizin. Es folgten zahlreiche Pilgerreisen, die ihn unter anderem nach Irland, Konstantinopel und Russland führten. Sowohl auf seinen Reisen als auch als Militärarzt in Europa sammelte er Erfahrungen beim einfachen Volk, welches ihm immer sehr am Herzen lag und lernte die länderspezifischen Heilmethoden kennen.

Paracelsus als Gegner der Viersäftelehre nach Galen
Er war ein vehementer Gegner der Viersäftelehre nach Galen - des Galenismus, welcher bereits 400 v. Chr. von den Hippokratikern in ihrer Schrift "Über die Natur des Menschen" nach der Elementenlehre von Empedokles entwickelt wurde. Dieses Krankheitskonzept beschäftigt sich mit dem Zusammenhang der vier Säfte (Blut, > Schleim, schwarze Galle, gelbe Galle) den ihnen zuordenbaren Elementen, Qualitäten, Jahreszeiten und Tierkreiszeichen mit der Befindlichkeit und dem Charakter einer Person. Gesundheit und Krankheit sind somit abhängig von der Aus- bzw. Unausgeglichenheit (Eu- bzw. Dyskrasie) dieser Säfte, welche mittels Diätetik, Arzneien und chirurgische Eingriffe behandelt werden kann.
Galen vertrat die Auffassung, dass es die Aufgabe eines jeden Arztes sei, ein gegebenes Ungleichgewicht der Säfte auszugleichen. Seine Anschauungen hatten bis ins 19.Jahrhundert starken Einfluss auf die Medizin und bilden beispielsweise die Grundlagen von Hildegard von Bingens und Sebastian Kneipps Therapien.
Ein Wegbegleiter der pharmazeutischen Chemie
Paracelsus aber wollte ein medizinisches System begründen, welches sich auf Alchemie, Magie und vor allem auf Erkenntnisse und persönliche Erfahrungen "non alterius sit qui suus esse potest" (sei nicht eines Anderen, wenn du dein Eigener sein kannst), gründet. Er war der Auffassung, dass der Heilungsprozess an mentale Kräfte gebunden ist und glaubte an die Selbstheilung des Körpers. Doch auch wenn für ihn Gesundheit und Krankheit von alchemistischen Überlegungen geprägt waren, so verstand er dennoch, dass Krankheiten durch externe Einflüsse entstehen. Weiters war er sich biologisch-chemischer und physikalischer Vorgänge im Körper bewusst und erkannte daher, dass Krankheiten durch chemische Substanzen bekämpft werden konnten.
Im Laufe der Zeit erwarb er sich ein enormes pharmazeutisches Wissen und wurde somit - entgegen der Auffassung Vieler nicht der vordergründig zum Begründer einer alternativen, ganzheitlichen Medizin - sondern zum Wegbereiter der pharmazeutischen Chemie. Er löste sich von der hippokratisch-galenistischen Heilmittelkunde, deren Mittelpunkt pflanzliche Heilmittel waren. Auf seinen Anschauungen baute die Chemieatrie bis in 16./17. Jahrhundert auf.
Besonders bekannt ist Paracelsus wohl für seinen berühmten Ausspruch: "Alle Ding´ sind Gift und nichts ohn´ Gift; allein die Dosis macht, das ein Ding´ kein Gift ist." (oft: "Nur die Dosis macht das Gift." - lat.: „Sola dosis facit venenum.“)
Aufgrund seiner ungewöhnlichen Methoden und Behandlungen musste Paracelsus sich oft vor Gericht behaupten; er wurde beispielsweise wegen Vergiftung angeklagt!
Über 500 Schriften zeugen von überragendem Wissensdurst
1520 begann er seine Erfahrungen niederzuschreiben, die Mehrzahl seiner zahlreichen Werke wurde allerdings erst posthum publiziert.
Einzig durch sein Werk "Die grosse Wundartzney" (1536) erlangte er etwas Ruhm und Anerkennen von Fürsten und Edelleuten. Über 500 Schriften darunter "Vom ursprung und herkommen des Bads Pfeffers" (1576) und "Opera Omnia Medico-Chemico-Chirurgica" (1658) zeugen von seinem Arbeitfleiß und Wissensdrang. Ebenso galt er als sehr redegewandt; das Wort "bombastisch" leitet sich angeblich von seinem Beinamen ab.
Zwischen 1524 und 1525 ließ Paracelsus sich als praktizierender Arzt in Salzburg nieder. Er führte immer schon ein sehr unstetes Leben, so ging er bereits um 1526 - nach einem kurzen Aufenthalt in Straßburg - nach Basel, wohin er als Stadtarzt und Hochschullehrer berufen wurde. Doch auch in Basel wurde er nicht sesshaft. Rasch machte er sich bei niedergelassenen Ärztekollegen durch öffentlich zugängliche Vorlesungen, die er noch dazu entgegen der damaligen Auffassung in Deutsch abhielt, unbeliebt.
Seine Provokationen reichten soweit, dass er in seinem Streben nach der medizinischen Führerschaft öffentlich die Werke Galens und des orientalischen Arztes Avicenna verbrannte. Daraufhin wurde er 1528 nach heftigen Streitigkeiten mit dem Magistrat aus Basel vertrieben.
Rückkehr nach Salzburg
Nur ein Jahr später wurde sein erstes Werk "Vom Holtz Guaiaco gründlicher Heylung" gedruckt. Über die folgenden Jahre ist wenig bekannt, man nimmt an, dass Paracelsus durch Deutschland, die Schweiz und Österreich wanderte, bis er schließlich 1541 nach Salzburg zurückkehrte, wo er am 24. September mittellos starb; ob er nun vergiftet wurde oder seinen Verletzungen erlag, die er sich beim Sturz von einem Berg zuzog, darüber scheiden sich die Geister.
Seit 1752 werden seine Gebeine in der Vorhalle der Sebastianskirche aufbewahrt.
"Da ich nun mehr über Paracelsus Leben und seine Arbeit weiß, finde ich, dass er ein würdiger und sehr passender Namensgeber meiner Universität ist. Auch wenn er sich bereits vor einigen Jahrhunderten für eine praxisbezogene, auf Erfahrungen begründete Medizin einsetzte, so glaube ich, dass auch die Paracelsus Medizinische Privatuniversität bemüht ist, einen neuen Weg einzuschlagen."
Romana Mikes
Dieser Artikel ist auch beim Thieme Verlag veröffentlicht.
Quellen und weitere Links zu Paracelsus:
Medizinhistorisches Institut und Museum der Universität Zürich
U. S. National Library of Medicine: Paracelsus, Five Hundred Years





