Arzneimitteltherapiesicherheit im Altenheim: Abschluss des Projekts InTherAKT der Paracelsus Universität

29.05.2018


In der Abschlussveranstaltung des Projekts InTherAKT in Münster diskutierten Experten aus Praxis, Wirtschaft und Politik über die notwendigen gesundheitspolitischen Änderungen (linkes Bild v.l.n.r.): Prof. Maria Flamm (Projektleitung), Bundestagsabgeordnete Maria Klein-Schmeink (MbD), Kai Martens (Firma Grünenthal), Bürgermeisterin Karin Reismann, Prof. Jürgen Osterbrink (Projektleitung), Isabel Waltering (Uni Münster) und Hausarzt Dr. Peter Münster.



Bei Bewohnern von Altenpflegeeinrichtungen kommt es vergleichsweise häufig zu unerwünschten Arzneimitteleffekten. Die Ursachen hierfür sind vielfältig: Die Patienten sind alt und leiden oft unter mehreren Erkrankungen, zudem sind sie häufig zusätzlich kognitiv eingeschränkt. Hierbei handelt es sich um eine komplexe Herausforderung und die Abstimmung zwischen Arzt, Apotheker und Pflegenden verläuft teilweise unzureichend. Durch das Projekt InTherAKT der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg sollte die Arzneimitteltherapiesicherheit in Altenhilfeeinrichtungen verbessert werden. Bei der Abschlussveranstaltung am 25. Mai 2018 in Münster wurden die Ergebnisse und Zukunftsperspektiven präsentiert.

"Gerade Menschen mit vielen Krankheitsbildern haben einen Anspruch darauf, wirklich nur die Medikamente einzunehmen, die ihnen etwas nützen": Maria Klein-Schmeink, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, forderte in Sachen Arzneimitteltherapiesicherheit die Lücke zwischen Anspruch und Realität endlich zu schließen. Deutschland brauche mehr Tempo bei der Digitalisierung und mehr Miteinander der medizinischen Berufsgruppen. Münsters Altenheimbewohner nehmen durchschnittlich 12 Medikamente am Tag ein – in Einzelfällen weit über 20.

"Die Verbesserung der Medikation um durchschnittlich 25 Prozent durch InTherAKT ist ein schöner gemeinsamer Erfolg, auf dem wir uns allerdings nicht ausruhen wollen", zog Prof. Jürgen Osterbrink, Vorstand des Instituts für Pflegewissenschaft und -praxis der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, Bilanz. Ein solches Vorgehen wie in Münster müsse in der Altenpflege Standard werden. Den Durchbruch in den gemeinsamen Bemühungen brachte eine neu entwickelte Online-Plattform. "Mit ihr konnten die an InTherAKT beteiligten 15 Hausärzte, 12 Apotheker und das Personal aus 10 Altenheimen passend zu ihrem Arbeitsalltag agieren und gleichzeitig erheblich viel Zeit und Dokumentationsaufwand sparen." Genau da müsse die Reise in der modernen Altersmedizin hingehen.

Prof. Maria Flamm, Vorständin des Instituts für Allgemeinmedizin, Familien- und Präventivmedizin der Paracelsus Universität, war mit der Auswertung des Projekts betraut. Sie betonte die Vorteile der Digitalisierung: "Bei dieser Vielzahl an Medikamenten verschafft die Online-Lösung die notwendige Übersicht und liefert aktuelles Wissen in Echtzeit. Mögliche Symptome einer Arzneimittelunverträglichkeit werden schnell erfasst und Problemlagen sofort ersichtlich." Generell müssten Wissenschaft und Praxis weiter daran arbeiten, die Grundlagen für eine noch bessere Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Apothekern und Pflegenden zu schaffen, um so die Arzneimitteltherapiesicherheit in Altenheimen noch weiter zu verbessern.

Einen Blick in die Zukunft wagte Kai Martens von der Firma Grünenthal, die das Versorgungsforschungsprojekt finanziell unterstützt hatte. Der Geschäftsleiter Deutschland freut sich über die erfolgreiche Zusammenarbeit aller Beteiligten. "Nach diesem Erfolg muss es nun das Ziel sein, das Projekt in Deutschland flächendeckend zu verbreiten." Allerdings müssten dafür auch finanzielle Fragen beantwortet werden. "Ich denke hier an die Erstattungsfähigkeit des Zusatzaufwandes für die beteiligten Berufsgruppen und für die Software. Hier hoffen wir auch auf Unterstützung von Seiten der Kostenträger."

Münsters Bürgermeisterin Karin Reismann bedankt sich bei den Beteiligten: "Schon 2013 hat die Gesundheitskonferenz Münster Handlungsempfehlungen verabschiedet, um die Arzneimitteltherapiesicherheit in den örtlichen Altenheimen zu verbessern. Zur Erreichung der damals formulierten Ziele hat InTherAKT einen wichtigen Beitrag geleistet und sehr gute Ergebnisse erzielt." 


Prof. Maria Flamm (links) und Prof. Jürgen Osterbrink (rechts) leiteten das auf zwei Jahre angelegte innovative Versorgungsforschungsprojekt, das einen wichtigen Beitrag zur besseren Vernetzung der beteiligten Berufsgruppen erwirkte, um künftig eine sichere Arzneimitteltherapie zu gewährleisten.



Das Projekt InTherAKT:

Unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Osterbrink, Vorstand des Instituts für Pflegewissenschaft und -praxis der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, und Univ. Prof. Dr. Maria Flamm, MPH, Vorständin des Instituts für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin, waren – neben den wissenschaftlichen Mitarbeitern der universitären Institute – an der operativen Ausführung in erster Linie der Hausärzteverbund Münster, die Apothekerkammer Westfalen-Lippe sowie die beiden Arbeitsgemeinschaften der münsterischen Altenhilfeeinrichtungen beteiligt. Weitere Partner waren unter anderem die BARMER, Stadt und Bezirksregierung Münster sowie die Facharztinitiative Münster. Die Fördergeber setzten sich aus Paracelsus Universität, der Firma Grünenthal GmbH sowie dem Land Salzburg zusammen.

Das Projekt ist in dieser Form – mit der Einbindung von Hausärztinnen und Hausärzten, Pflegenden der Altenpflegeeinrichtungen und Apothekerinnen und Apothekern in Deutschland – einzigartig. Es wurden erstmals abgestimmte Strategien zur Verbesserung von Gesundheit und Lebensqualität der Bewohner von Altenhilfeeinrichtungen erarbeitet und andererseits auch die berufliche Zufriedenheit der beteiligten Berufsgruppen spürbar beeinflusst.