Projekt InTherAKT: Therapiesicherheit und Medikamentenverträglichkeit um 25 Prozent verbessert

16.10.2017

Am Deutschen Schmerzkongress in Mannheim wurden die Resultate aus dem Projekt InTherAKT zur Verbesserung der Medikation in Altenhilfeeinrichtungen vorgestellt. Geplant und organisiert wurde das Versorgungsforschungsprojekt von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Salzburg unter Leitung von Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Osterbrink, Vorstand des Instituts für Pflegewissenschaft und -praxis, und Univ.-Prof. Dr. med. Maria Flamm, MPH, Vorständin des Instituts für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin.

In dem seit Anfang 2016 laufenden Projekt wurde die Arzneimittelversorgung bei rund 90 Patienten gemeinsam durch Ärzte, Apotheker und Pflegende überprüft und optimiert. Es wurden verschiedene Probleme in den Medikationen der Altenheimbewohner erkannt. "Teilweise fehlten klare Anweisungen zum richtigen Vorgehen. Zum Teil wurden durch Austausch eines unverträglichen Medikamentes gefährliche oder unangenehme Nebenwirkungen verringert", fasste Projektleiter Jürgen Osterbrink das Vorgehen zusammen. Der durchschnittliche Altenheimbewohner in Münster nimmt pro Tag etwa 12 Medikamente, vor allem gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz oder Depression. Gerade bei den Patienten, die besonders viele Verordnungen hatten, habe die Zahl reduziert werden können. "Bei allen anderen wurde vor allem die Kombination der verschiedenen Arzneimittel von den Hausärzten nach einer gemeinsamen kritischen Überprüfung mit den beteiligten Apothekern optimiert", sagt der Pflegewissenschafter.

Das Befinden vieler Teilnehmer besserte sich im Projektverlauf deutlich. Vor allem die Neigung zum Delir sank, und das Wohlbefinden sowie die kognitive Leistungsfähigkeit konnten stabilisiert werden. Gerade bei Patienten, die vorher sehr viele Medikamente einnehmen mussten, waren die Erfolge besonders beeindruckend. "In solchen Fällen konnten wir eine Verbesserung um bis zu 60 Prozent beobachten", erläutert Prof. Dr. Georg Hempel vom Institut für Pharmazeutische und Medizinische Chemie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Vor dem Hintergrund, dass rund 30 Prozent aller Krankenhauseinweisungen bei alten Menschen auf Arzneimittelunverträglichkeiten zurückzuführen seien, sei eine ständige kritische Überprüfung der Medikation gerade bei alten Menschen sehr wichtig. "Wir brauchen gerade bei diesen Patienten eine individualisierte Arzneimitteltherapie unter Beachtung der pharmakokinetischen und -dynamischen Besonderheiten im Alter."

Entscheidend für den Projekterfolg war die Optimierung von Transparenz und Kommunikation durch eine Online-Plattform. "Rund 96 Prozent der Probanden bei InTherAKT waren bei mehreren Ärzten in Behandlung. Für uns als Hausärzte ist der genaue Überblick entscheidend für die Beurteilung der Gesamtsituation", erklärt Dr. med. Ralf Becker vom Hausärzteverbund Münster. "Es gab durchaus Fälle, bei denen von 13 auf acht Medikamente reduziert werden konnte, weil der behandelnde Hausarzt auch einen genauen Einblick in sämtliche Altverordnungen durch andere Kollegen hatte." Neben der ständigen Datenverfügbarkeit bewerteten die Hausärzte auch das Handling als sehr positiv. "Jede eingetragene Änderung der Befindlichkeit eines Probanden wird sofort angezeigt. Statt jeder Menge Arztbriefe und Faxe oder mühseligem Telefonkontakt liefert die Plattform aktuelles Wissen in Echtzeit und erspart zudem eine erhebliche Menge an Dokumentationsaufwand für alle Parteien", berichtet der Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Geriatrie.

Die Arbeit mit der Online-Plattform verlief so erfolgreich, dass diese inzwischen zum Patent angemeldet wurde. "Die Vorteile der Plattform liegen auf der Hand: Alle beteiligten Berufsgruppen konnten jederzeit und passend zu ihrem Arbeitsalltag die Datenlage analysieren, ihre Bemerkungen machen oder Änderungsvorschläge einbringen", erklärt Projektleiter Osterbrink. Das habe die Zusammenarbeit sehr erleichtert und effizienter gemacht. Im Projektverlauf wurden auch Aspekte identifiziert, die im Sinne des gemeinsamen Zieles noch verbesserungswürdig sind, beispielsweise die Vereinheitlichung der Dokumentation in der Pflege, die Zusammenarbeit der Ärzte verschiedener Fachgruppen oder der regelmäßige Austausch zwischen Arzt und Apotheker. Die gemeinsamen Schulungen hätten jedoch das Verständnis und die Wertschätzung füreinander sehr gefördert. "Auf diesem Weg wollen wir weitergehen. Der Patentschutz der Online-Plattform ist für uns ein wichtiger Meilenstein auf unserem Weg, dieses System für die Zukunft der Altenpflege weiter zu etablieren", freut sich Jürgen Osterbrink.