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Prof. Stefan Galler: Der Mann der Stunde

Stefan Galler hält an der Paracelsus Universität in Salzburg die Lehrveranstaltung "Physiologie erregbarer Zellen" – und erregt bei den Medizinstudierenden mit seinen ungewöhnlichen Lehrmethoden Begeisterung für den Stoff und Lust aufs Mitmachen.

Befragt man die Medizinstudierenden der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg über ihren Lehrenden, ist der einhellige Tenor: "Professor Galler ist ein Knaller!" Denn der Name Stefan Galler und dessen Lehrmethoden in seiner Lehrveranstaltung "Physiologie erregbarer Zellen" im ersten Studienjahr rufen wahre Begeisterung hervor. "Durch die kreative und auch lustige Art der Wissensvermittlung wird man spielerisch, aber trotzdem hoch professionell, an den Lernstoff herangeführt", erzählt Medizinstudent Franciscus Inama. Und seine Kollegin Sophie Keller ergänzt: "Die Lehrmethoden sind erfrischend anders. Prof. Galler hat uns quasi auf eine Reise mitgenommen und die Lehrinhalte schrittweise aufgebaut."

Spannung durch Wettbewerbe. Doch was ist so besonders an der Art und Weise, wie der Biologie-Professor das Entstehen zellulärer Erregung und die molekularen Mechanismen für Lebensfunktionen wie Sehen, Denken, sich Bewegen vermittelt? Die Antwort Stefan Gallers geht mit einem Strahlen einher: "Man muss clever vorgehen, um gute Lernerfolge zu erzielen. So habe ich mir im Verlauf der Jahre einiges überlegt." Galler lehrt seit 1990 an der Naturwissenschaftlichen Fakultät (NAWI) der Paris Lodron- Universität und seit 2003 zusätzlich an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU). Der Durchbruch in der Lehre gelang dem Uniprofessor, als er Wissenswettbewerbe startete. "Ich hatte immer schon alle meine Lehrinhalte in Fragen formuliert, um Wiederholungshilfen anzubieten. Doch als ich begann, mit diesen Fragen Wettbewerbe zu veranstalten, stieg das Interesse enorm. Der Hörsaal war zum Bersten voll und zu Hause lernte man ständig mit", berichtet der Physiologe, der an der NAWI molekulare Mechanismen der Muskelkontraktion erforscht.

Gekonnt inszenierte Fragen. Salzburg sucht den Bio-Star und Science Cup heißen die Wettbewerbe, die Gallers Einführungsvorlesungen an NAWI und PMU in eine heiß umkämpfte Physiologie-Arena verwandeln. Bei ersterem Bewerb beantworten die Teilnehmenden Multiple-Choice-Fragen mittels Digi-Vote-Handsendern; in der zweiten Challenge treten Studentengruppen in Wortduellen gegeneinander an. Nicht weniger als 400 schriftlich formulierte Fragen kamen heuer in den 16 Doppelstunden der Vorlesung "Physiologie erregbarer Zellen" zur Sprache. Manche Fragen wurden parallel zur Vorlesung gestellt, andere in einer eigenen Wiederholungs-Session am Ende der Lehreinheit. Bio-Derbys, Ralleys, Duelle und Physio-Runs heißen die einzelnen Fragespiele der Wettbewerbe. Am beliebtesten sind jedoch die Bell-Rondells, bei denen die Antwort möglichst schnell übermittelt werden muss. Nach einem Glockenton bedienen die Studierenden ihre Handsender in Sekunden, und die Namen der Sieger erscheinen unter dem Jubel der Betroffenen gleich danach am Bildschirm.

Rita versus Theo.. Eine weitere Besonderheit von Gallers Unterricht sind die virtuellen Maskottchen Theo und Rita, die sich plump und drollig in die wissenschaftlichen Themen einmischen. "Parodien schärfen den Analysegeist und halten die Studierenden bei Laune", sagt Galler. Die Kurzweil lässt sich durchaus nachempfinden: Rita stößt sich an Theos Trägheit. Deswegen sucht sie nach physiologischen Tricks, um ihn zu beschleunigen, greift aber meist daneben. Theo prahlt über die schnellen Ereignisse in seinen erregbaren Zellen und liegt meist richtig. So kann Rita ihn nur noch mit Fangfragen überlisten. Die angehenden Ärztinnen und Ärzte beantworten alle Fragen und korrigieren wissenschaftliche Ungereimtheiten. Zum Schluss streckt Theo Rita die Hand entgegen, und die Studierenden wenden all ihr Wissen an, um das molekulare Geschehen richtig zu analysieren. Der Bogen spannt sich von den Ionenflüssen an Theos Sehzellen bei Reizung durch Ritas ästhetische Photonen über die gemütswirksamen Neurotransmitter bis hin zum Kraftakt der Myosinköpfe in Theos starken Muskeln. Einfallsreichtum beweisen auch die Studierenden bei der Namensgebung für ihre Gruppen. So formierten sich beispielsweise die Physiohasen, Leberläuse, Myosinbande, Golgi-Apparate, OH-Hühner, Sauren Basen, Linzer Schnitten und die Gallersteine.

Beliebt trotz Strenge. Er sei sehr streng, gibt Galler zu, freue sich aber, wenn man das nicht bemerkt. "Mein Stoffgebiet ist schwierig, und die Lehrbücher sind unbefriedigend. Deswegen poche ich aufs Mitmachen in meinen multimedialen Unterrichtsstunden und erreiche dadurch erstaunliche Lernerfolge. Meine Art, den Unterricht zu gestalten, lässt den Druck vergessen, der dahintersteckt." Das scheint der Mann gut zu beherrschen. Denn die Studierenden sind voll des Lobes über den engagierten Lehrenden und seine kurzweiligen Stunden. Auch mehrere Preise für exzellente Lehre wurden Stefan Galler im Laufe der Jahre zuteil. Am meisten freut sich er jedoch, wenn sich Studierende Jahre später dankend über seinen Unterricht und das daraus resultierende, nachhaltige Wissen äußern.

Autorin: Sabine Ritzinger * Foto ganz oben: Luigi Caputo
Erstveröffentlichung in Paracelsus Today 1/2017