Storys
PMU-Lehrpraxen

Learning by doing: Medizinstudierende in den allgemeinmedizinischen Lehrpraxen

Um das praktische Rüstzeug für die Allgemeinmedizin zu erlernen, absolvieren die Medizinstudierenden der Paracelsus Universität im fünften – klinisch-praktischen – Studienjahr ein vierwöchiges Blockpraktikum bei einem allgemeinmedizinischen Lehrarzt.

Auch wenn der Beruf des Allgemeinmediziners für viele Medizinstudierende an Attraktivität verloren hat und die meisten Absolventen in die Facharztausbildung streben, nimmt das 2006 gegründete Institut für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin der Paracelsus Universität eine wichtige Rolle in der Ausbildung ein. Da ein überwiegender Teil der Patientenkontakte und der Behandlung in der Primärversorgung stattfindet, ist die Vermittlung der grundlegenden Kenntnisse in der Patientenbetreuung, in der Patientenabklärung und im Zusammenspiel mit anderen Fachrichtungen und stationären Einrichtungen ein wichtiges Fundament für  das spätere Berufsleben. Die wissenschaftlichen Fragestellungen der Allgemein- und Präventivmedizin, vor allem in der Versorgungsforschung, der Versorgung chronisch Kranker und der Gesundheitssystemforschung, runden das Wissen um das Fachgebiet ab.

Blockpraktikum in den Lehrpraxen

Um auch das praktische Rüstzeug des Fachgebiets zu erlernen, absolvieren die Medizinstudierenden der Paracelsus Universität im fünften – klinisch-praktischen – Studienjahr ein vierwöchiges Blockpraktikum bei einem allgemeinmedizinischen Lehrarzt. Dieses dient dazu, die speziellen Aufgabenstellungen und Arbeitsweisen kennenzulernen und mit ärztlichen Tätigkeiten am Patienten zu erfahren. Das Institut für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin arbeitet zu diesem Zweck mit mehr als 80 Lehrpraxen zusammen. "Die Auswahl unserer Lehrärzte erfolgt nach Kriterien, die entsprechende ärztliche Erfahrung und patientenbezogene Versorgungsbreite sicherstellen", erklärt Institutsvorständin Univ.-Prof. Dr. Maria Flamm. Ihr liegt am Herzen, dass die Praktikumsanbieter die Werte und Visionen der Paracelsus Universität mittragen und im Rahmen des Patientenkontakts an die Studierenden vermitteln. "Ein guter Lehrarzt muss Begeisterung spüren, sowohl für die Praxis der Allgemeinmedizin, als auch für die akademischen Säulen unseres Fachs: Lehre und Forschung."

Um die Ausbildungsqualität zu gewährleisten und die Lehrärzte auf den gleichen Informationsstand zu bringen, wurde ein Handbuch erstellt – Schulungen im Oktober 2015 folgten. Für die Medizinstudierenden gibt es ein eigenes "Logbuch" mit Informationen und Tipps für das Blockpraktikum, einer Aufstellung der Anforderungen und Ziele sowie den wichtigsten Begrifflichkeiten, die im Rahmen der Patientenkontakte relevant sind. Darüber hinaus gibt das Logbuch Raum für Selbstreflexion des Praktikanten, Feedback des Ausbilders und Formulare zur Dokumentation der Patientenuntersuchungen.

Arbeit am Patienten

Der Salzburger Allgemeinmediziner Dr. Walter Wührer ist seit vielen Jahren als Lehrarzt für die Paracelsus Medizinische Privatuniversität tätig und hat schon vielen Studierenden die Grundlagen seines Berufs vermittelt. In ihrem eigenen Ordinationsraum können die angehenden Mediziner ungestört Patientenuntersuchungen durchführen und Behandlungsvorschläge erarbeiten. Und zwar dann, wenn sie mit den Anforderungen vertraut sind und sich für die selbständige – natürlich durch den Lehrarzt kontrollierte – Arbeit an den Patienten bereit fühlen. So lernen sie Schritt für Schritt alle Abläufe der Krankenbehandlung kennen: von der Anamnese über die Untersuchung bis zur Befunderstellung und Behandlung bzw. Medikation.

Großen Wert legt Wührer auf die Vermittlung der richtigen Patientenkommunikation, denn sei diese empathisch und frei von Negativsuggestionen, unterstütze dies den gesamten Heilungsprozess.   "Meine Patienten reagieren positiv auf meine Schützlinge, denn diese haben Zeit für sie und sie fühlen sich gut aufgehoben", erzählt der Mediziner. Zeit, die ihm im niedergelassenen Bereich mit 80 bis 100 Patienten pro Tag fehlt. "Umgekehrt genießen die angehenden Ärzte den Umgang mit richtigen Fällen, realen Patienten." Doch auch für ihn selbst stellt die Integration der Studierenden eine Bereicherung dar. Sie seien extrem engagiert und ihre universitäre Vorbildung an der Paracelsus Universität biete eine solide Basis für die Zusammenarbeit. "Es geht mir darum, die Stärken der Praktikanten zu fördern und an ihren Schwächen zu arbeiten", erzählt der Kassenarzt. Und – mit viel Glück – gelinge es ihm ja sogar, den Funken seiner eigenen Leidenschaft zu übertragen und Interesse für den Beruf des Allgemeinmediziners zu entfachen.

Herausforderung Primärversorgung

Die Medizinstudentin Kathrin Lampl hat im Mai 2015 ein vierwöchiges Praktikum bei Walter Wührer verbracht. Zwar hat sie schon entschieden, beruflich in Richtung Physikalische Medizin und Rehabilitation zu gehen, "doch kann ich mir vorstellen, vor meiner Facharztausbildung die Ausbildung zum Allgemeinmediziner einzuschlagen". Das Blockpraktikum habe ihr die Möglichkeit eröffnet, den Alltag in einer Arztpraxis hautnah mitzuerleben. "Damit lernte ich die  Herausforderungen kennen, denen sich ein Arzt im niedergelassenen Bereich in der Primärversorgung der Patienten täglich stellen muss. Das breite Patientengut, mit dem man täglich konfrontiert ist, fordert und man muss sich ständig an den Patienten anpassen, um eine gute Betreuung gewährleisten zu können." Von ihrem Ausbilder und seiner Betreuung spricht die Studentin nur in höchsten Tönen, und nicht nur sie: Immerhin wurde Walter Wührer von den Medizinstudierenden der Paracelsus Uni schon dreimal zum "Lehrarzt des Jahres" gewählt.