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Institut für Neurointervention

Leiterin: a.o. Univ.-Prof. Dr. Monika Killer-Oberpfalzer


Die Neurointervention (auch: Interventionelle Neuroradiologie, Neurochirurgische Angiographie, Chirurgische Neurologie) ist ein medizinischer Fachbereich, der auf die endovaskuläre Behandlung von vaskulären Störungen mit Beteiligung des Gehirns, des Rückenmarks, des Kopfes und Halses sowie andere periphere vaskuläre Malformationen spezialisiert ist.

Die interventionellen Therapiemöglichkeiten umfassen z. B. die Behandlung von Aneurysmen (Coiling, Ballon- oder Stent-unterstützte Verfahren), Carotisstenting, Topische Lyse, Clot Retrieval, intrakranielle Stents, präoperative Embolisation von Tumoren, Behandlung von AVMs (arteriovenöse Malformationen) und AVFs (arteriovenöse Fisteln) und Angiographien in Interventionsbereitschaft.

Im Bereich der Gehirngefäßerkrankungen hat sich in den letzten Jahren eine starke Ausrichtung hin zu minimal invasiven Techniken ergeben. Die interventionellen Methoden sind ständiger Weiterentwicklung unterworfen, um den Bedürfnissen der Patienten noch besser zu entsprechen.

Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen den Behandlungserfolg der unterschiedlichen Therapiemöglichkeiten und bilden eine wesentliche Brücke zwischen Forschung und Wirtschaft, um den Patienten die bestmögliche Therapie zukommen zu lassen.

Über uns

Chronik

2000: Gründung der Forschungseinrichtung "Experimentelle Angiographie" an der Universität Salzburg gemeinsam mit der Abteilung "Organismische Biologie".

2005: Das "Neuroscience Institut Salzburg" wird als interdisziplinäre Forschungs- und Schulungseinrichtung der Christian Doppler Klinik von Hofrat Univ.-Prof. Dr. Gunther Ladurner ins Leben gerufen. Die bisher an der Universität Salzburg situierte Forschungseinrichtung "Experimentelle Angiographie" wird darin eingegliedert.

2011: Gründung des "Forschungsinstituts für Neurointervention der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität". Damit wurden die universitären Rahmenbedingungen für experimentelle und klinische Forschung auf breiterer Basis und auf internationalem Spitzenniveau geschaffen.

Ziele

  • Nutzung vorhandener Ressourcen und Kontakte sowie die Zusammenführung international exzellenter Wissenschafter sowie Transfer der Ergebnisse aus der Grundlagenforschung in die Klinik

  • Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Neurointervention auf internationalem Spitzenniveau und deren akademische Darstellung

  • Fortführung und Erweiterung neurointerventioneller Ausbildungsmöglichkeiten auf internationalem Niveau bis hin zu einem Masterstudium für Neurointervention

Ein wesentlicher Auftrag des Forschungsinstituts für Neurointervention ist die Aus- und Weiterbildung von Ärzten, Studierenden und Radiologietechnologen. Durch die klinische Erfahrung hierorts sowie auch durch die österreichweite und internationale Zusammenarbeit kann die Ausbildung auf höchstem Niveau angeboten werden.

Lehre

Die Lehrveranstaltungen am Forschungsinstitut für Neurointervention finden im Rahmen der Vorlesungen für Neurologie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität statt.

Tele-Learning

Durch den Einsatz von Tele-Learning als Unterrichtsform werden den Studierenden Lehrveranstaltungen mit internationalen Spitzenmedizinern aus Lehre und Forschung geboten. Während der Lehrende vor laufender Kamera unterrichtet, können die Studenten/innen den Unterricht an beliebigen Orten vor ihren Rechnern verfolgen. Diese Lehrform ermöglicht einerseits den direkten Kontakt zwischen Studierendem und Lehrendem, andererseits auch den Kontakt der Studenten/innen untereinander.

Praxis

Neben dem theoretischen Teil der Ausbildung ist es am Forschungsinstitut auch möglich, das Gelernte direkt in die Praxis umzusetzen. In Zusammenarbeit mit führenden Unternehmen der neurointerventionellen Medizinprodukte-Industrie werden am Forschungsinstitut regelmäßig Workshops und Seminare angeboten.

  • Aneurysma (Behandlung von krankhaften Gefäßaussackungen)
  • Stent intrakraniell (Behandlung bei einer Verengung der hirnversorgenden Arterien wie Arteria cerebri media, Arteria basilaris, Arteria carotis interna)
  • Stent extrakraniell
  • Carotis Stent (Behandlung der Verengung der Halsschlagader)
  • Thrombektomie (operative Entfernung eines Blutgerinnsels aus einem Blutgefäß)

Ausstattung

Für die angebotenen Trainings neurointerventioneller Eingriffe und die wissenschaftliche Arbeit stehen am Forschungsinstitut für Neurointervention zwei Computer-Simulatoren zur Verfügung: Das Procedicus-VISTTM System (Mentice AB, Gothenburg, Sweden) und das AngioMentorTM System (Simbionix Ltd, Lod, Israel) – beides multidisziplinäre Simulatoren, die ein Training von endovaskulären Eingriffen verschiedenster Pathologien in einer sicheren, reproduzierbaren und vollständig simulierten Umgebung erlauben.

Vor allem die Navigation der Instrumente und ein besseres Verständnis der vaskulären Anatomie werden in Workshops zur interventionellen Schlaganfalltherapie und Aneurysmabehandlung unter fachkundiger Anleitung an den Simulatoren trainiert. Nachweislich können derart ausgebildete Neurointerventionisten einen Eingriff um bis zu 30 Prozent rascher durchführen. Die Fehlerquote konnte durch das Training am Simulator ebenfalls erheblich reduziert werden.

Forschung

Die Forschungsschwerpunkte des Bereichs der experimentellen Neurointervention lassen sich unterteilen in die neurovaskuläre Forschung im klinischen Bereich einerseits und die Grundlagenforschung andererseits.

Es bestehen zahlreiche Kooperationen mit regionalen, nationalen und internationalen Partnern aus dem universitären Bereich und der Wirtschaft. In den einzelnen Forschungsgruppen arbeiten Mediziner und Naturwissenschafter interdisziplinär zusammen.


Forschungsschwerpunkte

  • Die Erprobung, Weiterentwicklung und Optimierung neuer Materialien und unterschiedlicher Verfahren, insbesondere zur Behandlung intrakranieller Aneurysmen, stehen im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeit, um Eingriffe wie etwa den Verschluss eines Aneurysmas so risikoarm wie möglich anbieten zu können und die Anzahl der Kontrolluntersuchungen für den Patienten zu reduzieren. Dies gelingt etwa durch den Einsatz von besonders beschichteten Spiralen, die zum Verschluss von Aneurysmen eingesetzt werden.

  • In Zusammenarbeit mit der Stroke Unit der Salzburger Universitätsklinik für Neurologie und deren Universitätsinstitut für Radiologie werden quantitative MR-Untersuchungen der Hirndurchblutung mittels CT und MRI vor und nach den Eingriffen durchgeführt. Diese Ergebnisse und Untersuchungen des Hirninfarktes im zeitlichen Verlauf mit multimodalen MR-Methoden (Diffusions-, Tensorbildgebung, Spektroskopie) geben Hinweise auf die Epidemiologie des Schlaganfalles und dienen der Forschung nach neuen Möglichkeiten der Prophylaxe und Therapie.

  • Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist die Entwicklung neuer Methoden zur schnellen Rekanalisation verschlossener Hirngefäße (z.B. mittels Thrombaspiration oder Thrombektomie), wobei in Zusammenarbeit mit der Industrie neue Katheter und Instrumente entwickelt werden. Auf diesem Gebiet nimmt das Forschungsinstitut für Neurointervention an zahlreichen Studien teil und arbeitet aktiv mit anderen Zentren im In- und Ausland zusammen.

  • Geforscht wird weiters an Neuroimplantaten für Aneurysmen und an Mikrokathetern, die MR-Navigation im Gehirn erlauben.

  • Es wird an der Entwicklung von Stents gearbeitet, die ohne die bisher erforderliche Dualtherapie mit Plavix und Aspirin implantiert werden können. Auch Stent-artige Implantate (Flow diverter), die zum Verschluss von Aneurysmen dienen, werden derzeit auf ihre Langzeitwirkung, Risiken und Materialverträglichkeit geprüft und weiterentwickelt.

  • Die Vaskuläre Neuroimmunologie beschäftigt sich mit den neuroimmunologischen Veränderungen bei zerebrovaskulären Erkrankungen sowie mit vaskulären Veränderungen mit Schwerpunkt Blut-Hirn-Schranke bei neurologischen und insbesondere neuroimmunologischen Erkrankungen. Dabei werden insbesondere Veränderungen von immunologischen Parametern im Blut von Patienten mit Schlaganfall mit und ohne Neurointervention untersucht und zu klinischen und neuroradiologischen Parametern korreliert. Weiters soll im Bereich der experimentellen Neurointervention der Einfluss von unterschiedlichen Devices auf das Immunsystem untersucht werden.

  • Schwerpunkt der MR-Methodenforschung ist die Optimierung spezieller Sequenzen zur Darstellung bewegter Inhalte im Sinne einer MR-navigierten Neurointervention. Auf diesem Gebiet besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe Neurokognition des Fachbereichs Psychologie der Universität Salzburg.  

Partner

Beth Israel Hyman-Newman Institute for Neurology and Neurosurgery, New York Center for Endovascular SurgeryProf. Alejandro Berenstein, MD

Mayo Clinic, Rochester, USA
Department of Neurosurgery and Radiology
Prof. David Kallmes, MD

St. Michael’s Hospital, Canada
Diagnostic and Therapeutic Neuroradiology
Tom R. Marotta, MD, FRCPC, Assistant Professor, University of Toronto

New York University, USA
Department of Neurosurgery
Prof. Howard Riina, MD

Tufts Medical Center, Boston, USA
Department of Neurosurgery
Adel M. Malek, M.D., Ph.D.

University of Oxford, UK
Oxford University Hospitals NHS Trust
NIHR Oxford Biomedical Research Centre, Acute Vascular Imaging Centre
Prof. Iris Grunwald, MD

University of Oxford, UK
Oxford University Hospitals NHS Trust
Department of Neuroradiology
Anne Schmitt, MD

Medizinische Universität Innsbruck, Österreich
Universitätsklinik für Radiologie
Dr. Martin Freund

Team und Kontakt

a.o. Univ.-Prof. Monika Killer-Oberpfalzer
Leitung des Instituts für Neurointervention

Tel.: +43 57255-56058
E-Mail: m.killer@salk.at
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