15 Jahre Uni-Lehrgang Palliative Care: Beste Betreuung geforderter denn je

28.10.2021

Das neue Sterbehilfe-Gesetz liegt auf dem Tisch: Ab Jänner 2022 ist die „Mitwirkung am Selbstmord“ in Österreich nicht mehr generell verboten. Befürworter einer Liberalisierung argumentierten mit dem Recht auf Selbstbestimmung. Die Regierung suchte jetzt nach einem gesetzlichen Rahmen und gab einen Entwurf in die Begutachtung. Wichtig ist es, rund um dieses sensible Thema Missbrauch zu verhindern.

Zentraler Punkt ist vor allem die qualitativ hochwertige Versorgung in der letzten Lebensphase. Die Arbeit von Palliative Care rückt ins Zentrum. Die Hospiz- und Palliativversorgung soll begleitend zu der Gesetzesänderung massiv ausgebaut werden. Ab 2022 zahlt der Bund den Ländern und Gemeinden einen Zweckzuschuss: Die Beiträge sollen bis 2024 schrittweise auf 51 Millionen Euro wachsen.

Der Gesetzgeber fordert ab Jänner von dauerhaft schwerkranken oder unheilbar kranken Personen, die sich für einen assistierten Suizid entscheiden, zwei ärztliche Gespräche, eines davon muss mit einer*m ausgebildeten Palliativmediziner*in erfolgen. Es gilt das Prinzip eines würdevollen und lebenswerten Abschieds. „Es kommt immer auf das Wie an. Nur mit einer qualifizierten Ausbildung ist eine adäquate Versorgung am Lebensende möglich“, betont Studiengangsleiterin Doris Schlömmer. Eine gute Begleitung sowie das Aufzeigen von palliativen und anderen Therapiemöglichkeiten, ändere das Verhalten der betroffenen Menschen. Damit wird ihnen auch die Angst und die Sorge genommen, nur noch zur Last zu fallen. Wenn Betroffene sagen, „Ich möchte nicht mehr leben', meinen sie oft, ich möchte SO möchte nicht mehr leben'“, betont Schlömmer. Daher kommt es immer auf das Wie und nicht das Was an.

Die PMU, das Bildungshaus St. Virgil Salzburg und der Dachverband Hospiz Österreich leisten schon seit 15 Jahren einen wichtigen Beitrag, um Bildung und die damit verbundene Qualität in einem Bereich, der noch mit vielen Tabus behaftet ist, hoch zu halten. Seit 2006 wird ein dreistufiger Lehrgang als Kooperationsprojekt der genannten Institutionen angeboten, welcher vom Dachverband Hospiz Österreich und dessen Gründerin, der großen Sozialreformerin Sr. Hildegard Teuschl, initiiert wurde. Für sie war Bildung eine der wesentlichen Maßnahmen, um Qualität im Praxisfeld und Professionalität im Beruf gewährleisten zu können.

Zielgruppe der multiprofessionellen Ausbildung sind alle Expert*innen aus Gesundheits- und Sozialberufen, die in der mobilen bzw. stationären Grundversorgung oder der spezialisierten Hospiz- und Palliativversorgung tätig sind – von Pflegepersonen, Mediziner*innen bis zu Sozialarbeiter*innen oder Seelsorger*innen und Psycholog*innen. Neben den großen, sichtbaren Entwicklungen wie der aktuellen Gesetzesänderung kann jede einzelne zwischenmenschliche Beziehung bzw. Tätigkeit in den Einrichtungen Enormes bewirken. Insgesamt dauert der Lehrgang sechs Semester. Level I wird an zehn verschiedenen Standorten in Österreich und Bayern angeboten, vermittelt wird Basiswissen zu Palliative Care. In Level II finden fachspezifische Lehrgänge statt, die Teilnehmer*innen schließen mit dem Akademischen Experten in Palliative Care ab. Level III ist speziell für Führungs- und Leitungsaufgaben im Praxisfeld von Palliative Care vorgesehen. Der Lehrgang Palliative Care ist das einzige universitäre Angebot im deutschsprachigen Raum mit Master-Abschluss. Seit 2006 haben sich bereits 181 Master in Palliative Care in dem Lehrgang ihre fachliche und soziale Kompetenz für einen herausfordernden Alltag geholt. Der überwiegende Teil an Absolvent*innen, nämlich fast jede*r Zweite in Vertiefungslehrgängen, kommt aus der Profession der Pflege.