"Aktionstag gegen den Schmerz": PMU-Studie an mehr als 800 Altenheimbewohnern präsentiert

05.06.2019

Mehr als die Hälfte der Bewohner/innen stationärer Pflegeeinrichtungen leidet unter chronischen Schmerzen. Das sei übereinstimmendes Ergebnis verschiedener Studien, sagte Ass.-Prof. Dr. Irmela Gnass, Pflegewissenschafterin an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Salzburg, anlässlich des "Aktionstages gegen den Schmerz" am 4. Juni 2019 im Rahmen einer Fachtagung der Diakonie Düsseldorf. Zuletzt hätte eine Studie des Instituts für Pflegewissenschaft und -praxis an der PMU mit mehr als 800 Altenheimbewohnern/innen in Deutschland diesen Trend bestätigt.

"Sowohl bei den auskunftsfähigen Bewohnern als auch bei denen, die aufgrund kognitiver Einschränkungen keine Auskunft geben konnten, waren mehr als 50 Prozent von Schmerzen betroffen", erklärt Gnass, "40 Prozent der auskunftsfähigen Bewohner gaben darüber hinaus depressive Verstimmungen an." Ursachen sieht die Pflegewissenschafterin vor allem darin, dass die Bewohner häufig unter mehreren Erkrankungen gleichzeitig leiden und die medizinische Versorgung immer komplexer werde. "Um die ideale interprofessionelle Schmerztherapie zu finden, braucht es ein gutes, dem Bewohner angepasstes Schmerzassessment", erläuterte Gnass.

Die 2017 veröffentlichte S3-Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AMWF) sei hier eine gute Hilfestellung für stationäre Pflegeeinrichtungen der Altenhilfe. Die Leitlinie liege seit kurzem auch in einer Patientenversion vor. Der "Aktionstag gegen den Schmerz" ist ein nationaler Aktionstag, der in diesem Jahr zum achten Mal stattfindet. Am ersten Dienstag im Juni machen die Deutsche Schmerzgesellschaft und ihre Partnerorganisationen jährlich auf die lückenhafte Versorgung vieler chronischer Schmerzpatienten aufmerksam.

Irmela Gnass präsentierte auch die Ergebnisse einer weiteren Studie, die von der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW gefördert wurde. Im Projekt "Schmerz lass nach! Optimierte Schmerzversorgung für Pflegebedürftige im Alter" kann geschlussfolgert werden, dass gezielte externe und interne Schulungsmaßnahmen zum Thema Schmerz für alle Mitarbeitenden in Pflegeteams (z. B. Betreuungskräfte, Sozialer Dienst und Hauswirtschaft) Einfluss auf die Schmerzversorgung von Pflegebedürftigen im Alter nehmen.