Aktivtreff Diabetes: Vielversprechende Zwischenergebnisse vorgestellt

06.12.2012


Bewegung und Ernährung sind das A und O des "Aktivtreff Diabetes". V.l.n.r.: Dr. Norbert Muss (GKK Salzburg), Projektleiter Univ.-Prof. Dr. Andreas Sönnichsen (Paracelsus Universität), Dr. Christoph Dachs (Allgemeinmediziner und Projektbeteiligter) und Heinz Krispler (Peer Supporter / Gruppenleiter aus Pfarrwerfen).


Allgemeinmediziner  Christoph Dachs (li.) findet das Peers-Konzept "genial und zukunftsweisend". Peer Supporter Heinz Krispler, selbst betroffener Diabetiker, ist "stolz auf seine aktiven Gruppenmitglieder, die zu 80 Prozent anwesend sind". 


"Alle z´samm, gemma´s an!" ist das Motto des Projekts "Aktivtreff Diabetes" des Instituts für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin der Paracelsus Universität. Bewegung und Schulung in der Gruppe sollen Lebenstiländerungen von Typ 2-Diabetikern herbeiführen und den Spätfolgen der weit verbreiteten Krankheit entgegenwirken. Die ersten Erhebungsergebnisse nach einem Jahr zeigen bereits positive Auswirkungen bezüglich Ernährungsverhalten und Leistungsfähigkeit bei den teilnehmenden Typ 2-Diabetikern. So kam es seit Beginn der Intervention zu einer deutlichen Reduktion der Kalorienaufnahme, einer verminderten Fettaufnahme und einer durchschnittlichen Gewichtsreduktion der Teilnehmenden um 1,3 kg. Auch die Leistungsfähigkeit des Großteils der Teilnehmenden hat sich erhöht. Das Projekt und die erfreulichen, vielversprechenden Zwischenergebnisse wurden am 6. Dezember 2012 in einer Pressekonferenz vorgestellt.

Der "Aktivtreff Diabetes" der Paracelsus Universität trägt dem Präventionsgedanken Rechnung: Das Konzept basiert auf Selbstmanagement und Peer Support zur dauerhaften Realisierung von Lebensstiländerungen und wird seit 2011 im Rahmen einer randomisiert kontrollierten Studie evaluiert. "Die Peer-Support-Gruppen gewährleisten eine kontinuierliche Schulung und Motivation für die teilnehmenden Patienten – wichtige Faktoren, um die Spätfolgen von Diabetes mellitus Typ zu kontrollieren", sagt Projektleiter Univ.-Prof. Dr. Sönnichsen von der Paracelsus Universität. Das Projekt ergänzt das Disease Management Programm (DMP) "Therapie Aktiv", das 2007 für Typ 2-Diabetiker im Bundesland Salzburg eingeführt wurde. "Aktivtreff Diabetes" wurde von der International Diabetes Federation (IDF) unter 160 internationalen Bewerbern als eines von vier Langzeitprojekten ausgewählt und mit 400.000 USD gefördert.

Vermehrte körperliche Aktivität und Lebensstiländerungen können nachweislich den HbA1c-Wert (Langzeitzuckerwert) langfristig senken und stabilisieren, das kardiovaskuläre Gesamtrisikoprofil verbessern (Lipidwerte, Blutdruck, BMI), die diabetischen Spätkomplikationen reduzieren und die Lebensqualität steigern. So können die stationäre Behandlungsbedürftigkeit und der Medikamentenverbrauch gesenkt und Kosten im stationären als auch im ambulanten Sektor gespart werden. "Ich bin froh über den Kooperationspartner Paracelsus Universität. Es ist außergewöhnlich, dass eine Universität mit einem Sozialversicherungsträger zusammenarbeitet", sagt Dr. Herbert Muss von der Gebietskrankenkasse Salzburg.

393 Teilnehmer  wurden von den behandelnden DMP-Ärzten rekrutiert – 202 Personen zur Intervention, 191 zur Kontrolle. Die Interventionspatienten nehmen an lokalen "Aktivtreffgruppen" teil, die von speziell geschulten Peer Supportern, selbst betroffenen Diabetikern, geleitet werden. Zurzeit gibt es 17 aktive Gruppen in vier der fünf Salzburger Gaue. Diese treffen sich einmal wöchentlich zur Bewegungseinheit im Freien: flottem Gehen bzw. Nordic Walking in Kombination mit Übungen zu Beweglichkeit, Koordination und Kräftigung. Die Schulung erfolgt ein- bis zweimal pro Monat in Form von Gesprächsrunden – auch mit Experten wie Diabetesberatern, Diätologen, Psychologen, Sportinstruktoren oder Ärzten. Ergänzend erhalten die Teilnehmer monatliche Newsletter mit aufbereiteten Themen und leicht verständlichen Fachinformationen.

Informationen über die ersten vielversprechenden Ernährungs- und Bewegungserhebungen und über das Projektteam finden Sie hier. Die Abschlussuntersuchungen mit Erhebung der Stoffwechselparameter, diabetischer Komplikationen und Medikation erfolgen im ersten Quartal 2013 in den ärztlichen Ordinationen und werden bis Sommer 2013 ausgewertet.


Wöchentliche, moderate Bewegungseinheiten – wie hier das Wandern der Aktivtreff-Gruppe Pfarrwerfen – und regelmäßige Schulungen zielen auf Lebensstiländerungen bei Typ 2-Diabetikern.

Genderhinweis: Im Sinne der besseren Lesbarkeit wurde auf die genderneutrale Ausdrucksweise verzichtet. Dies impliziert keinesfalls eine Benachteiligung des jeweils anderen Geschlechts.