Auftakt "Salzburger Palliativgespräche": Gibt es Grenzen zwischen palliativer Sedierung und assistiertem Suizid?

28.11.2016


Rund 200 interessierte Gäste kamen zur Auftaktveranstaltung der "Salzburger Palliativgespräche" an die Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Salzburg.



Unter dem Titel "Gibt es Grenzen zwischen palliativer Sedierung und assistiertem Suizid?" fand am 23. November 2016 die Auftaktveranstaltung der "Salzburger Palliativgespräche" statt. Die Stiftungsprofessur Palliative Care unter Univ.-Prof. Dr. Stefan Lorenzl (siehe Bild unten) möchte mit diesem Format ein neues Forum bieten, in dem sich Experten auf dem Podium zu wichtigen und gesellschaftlich relevanten Themen der Palliative Care austauschen, in dem aber auch das Publikum die Möglichkeit hat, sich an der Diskussion zu beteiligen. Daher sind nicht nur Pflegende und Ärzte eingeladen, sondern die Einladung ergeht explizit an jedermann, der sich für diese Themen interessiert.

Rund 200 interessierte Gäste waren zu den Vorträgen und Diskussionen von Referenten aus unterschiedlichen Fachbereichen an die Paracelsus Universität in Salzburg gekommen. Die Diskutanten aus der Pflege, Medizin, Spiritual Care, Rechtswissenschaft und selbst Betroffene nutzten den ersten Termin, um sich über die Thematik des "sanften Todes" auszutauschen. Palliative Care wird in der Öffentlichkeit immer noch mit Tod und Sterben verbunden und insbesondere mit einem sanften und gut begleiteten Sterben, bei dem man auch seine Autonomie und Würde behält. Die Angst vieler Menschen, gerade diese Werte am Ende des Lebens zu verlieren, öffnet den Sterbehilfeorganisationen Tür und Tor.

Die palliative Begleitung bietet aber eine Vielzahl von Möglichkeiten. In Österreich hat die Enquete Kommission zu "Würde am Ende des Lebens" bereits im Jahr 2014 einen wichtigen Beitrag geleistet, der auch als Grundlage für die Diskussion diente. Darüber hinaus konnte die aktuelle Veröffentlichung zu Praktiken der Sedierungstherapie in Österreich von Dr. Sophie Schur und Kollegen (Schur et al., 2016) diskutiert werden. Der Begriff der Sedierungstherapie beinhaltet die Gabe von Medikamenten am Lebensende, die das Leid des Sterbenden lindern. Dadurch können Atemnot und Schmerzen, aber auch Unruhezustände, gut behandelt werden.

Die Diskutanten waren sich einig, dass die Indikation streng zu stellen ist und die Durchführung dieser Maßnahmen engmaschig kontrolliert werden muss. Die dafür bestehenden Regularien wurden als klar und eindeutig bewertet. Ein Graubereich, in dem eine derartige Maßnahme in ärztlich assistierten Suizid münden könnte, wurde nicht gesehen. Dennoch wurde auch klar die Überprüfung dieser Maßnahme und die Einbeziehung eines multiprofessionellen Teams in jedem Einzelfall gefordert.

Das Credo "Leben bis zuletzt und in Würde sterben" gilt insbesondere auch für diese Maßnahme. Denn nicht jede Unruhe am Lebensende muss medizinisch behandelt werden, sondern soll gut begleitet werden. Das große Wort, dass man "nicht durch die Hand, sondern an der Hand" von jemandem sterbe, war ein zentrales Thema des Abends. Es war ein Konsens, dass durch die multiprofessionelle Begleitung am Lebensende Ängste und Symptome gut gelindert werden können und dass ein sanfter Tod – gut begleitet – eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe ist, die nicht nur im medizinischen Bereich verortet sein sollte.