Auszeichnung für PMU-Studentin bei internationalem Workshop

20.10.2021

Großer Erfolg für Nicole Schneider, Studentin der Humanmedizin am Standort Nürnberg: Sie verfasst ihre Diplomarbeit am Zentrum für Physiologie, Pathophysiologie und Biophysik zum Thema Energiestoffwechsel von Blutkrebs und taucht damit in einer frühen Phase ihrer medizinischen Karriere in die aktuelle Forschung ein.

Im Fokus ihrer experimentellen Arbeit standen akute Leukämien und die Frage, ob sich die Menge der mRNA, codierend für den spannungsabhängigen Protonenkanal, verändert. „Die Krebszellen haben einen starken Energiebedarf, sie ändern ihren Energiehaushalt - ,Warburgeffekt´ genannt - und verstoffwechseln vorrangig Glukose. Wenn das passiert, entstehen Protonen, die die Zelle verlassen müssen, damit der Stoffwechsel nicht zum Erliegen kommt“, erklärt Institutsleiter Prof. Boris Musset stark vereinfacht die Abläufe. Bei Brust- und Darmkrebs ist nachgewiesen worden, dass der Protonenkanal verstärkt in die Zellmembran eingebaut wird. Inhibition des Protonenkanals setzt den Stoffwechsel der Krebszellen herab und vermindert die Invasivität dieser Zellen.   

In vier Monaten bereitete Nicole Schneider von den Blutabnahmen der Kontrollgruppe bis zur Arbeit im Labor mit quantitativen PCR-Analysen den gesamten Prozess auf. Betreuer war Dr. Christian Derst. Insgesamt 44 Probanden (die Kontrollgruppe umfasst elf Probanden) wurden untersucht. „Wenn man zu dem Punkt kommt, an dem man plötzlich Daten hat, ist die Anspannung groß“, sagt sie über emotionale Antriebsfaktoren in der Wissenschaft. Ihr überraschendes Ergebnis bei Zellen von akuten Leukämien: Die Menge der mRNA des Protonenkanals wird heruntergeregelt. „Es deutet darauf hin, dass die Zellen in diesem Fall andere Mechanismen haben könnten. Das muss noch mehr erforscht werden“, so Institutsleiter Musset.

Nicole Schneider präsentierte ihre Forschungsarbeit zwischen anderen Studierenden und renommierten Wissenschaftler*innen bei einem internationalen Workshop der Sektion III Zelluläre Biophysik der Deutschen Gesellschaft für Biophysik und erhielt dafür einen von drei Poster-Preisen. Ziel war es, dort vor allem jungen Forschenden die Bühne zu geben. Es gab Teilnehmer*innen aus 17 anderen Universitäten. Ihre Arbeiten präsentierten viele grundlegende Erkenntnisse zu der Biophysik von Erkrankungen.

Priorität habe es für sie jetzt erst einmal, Ärztin zu werden. „Mein Interesse an der Wissenschaft ist mit dieser Arbeit noch größer geworden“, so die ausgezeichnete Studentin. Ein Wunsch wäre es, als klinisch tätige, forschende Ärztin in Nürnberg zu arbeiten. Ihr Dank gilt auch besonders dem Team der Hämatologie und Onkologie am Klinikum Nürnberg (Prof. Wilhelm), vor allem Dr.in Anna Bold, Heike Gross und Elisabeth Holzmann, die die Probenaufbereitung in ihren vollen Arbeitsalltag noch integriert haben. Großer Vorteil an der PMU neben der Lehre in Kleingruppen sind die kurzen Wege zwischen Forschung und Klinik.