Das radART-Institut lukriert größten bisherigen Einzelforschungsauftrag der Paracelsus Universität

05.06.2012


Forschungskooperation als Win-Win-Situation (v.l.n.r.): Mag. Heinz Deutschmann (Administrativer Leiter radART-Institut), Dr. Bernd Mößlacher (Geschäftsführer MedAustron), Prim. Univ.-Prof. Dr. Felix Sedlmayer (Leiter radART-Institut) und Mag. Klaus Schneeberger (Aufsichtsratsvorsitzender MedAustron).


Großer Erfolg für das Institut für Technologieentwicklung in der Strahlentherapie (radART) der Paracelsus Universität: Das Team um Univ.-Prof Dr. Felix Sedlmayer konnte eine langfristige Forschungskooperation mit der EBG MedAustron GmbH abschließen. In einer Pressekonferenz am 5. Juni 2012 wurden die Details der Zusammenarbeit vorgestellt. Dabei geht es um die Entwicklung von Konzepten und Software für die in Wiener Neustadt errichtete MedAustron-Anlage, eines der modernsten Zentren für Forschung und Ionentherapie in Europa. Weltweit existieren nur drei derartige Zentren. Das Herzstück der vom Land Niederösterreich errichteten und betriebenen 200 Millionen Euro teuren Anlage ist ein in Zusammenarbeit mit CERN entwickelter Teilchenbeschleuniger. Der Synchrotron – 80 Meter Ringdurchmesser und 700 Tonnen Stahl – beschleunigt die Ionen auf 2/3 Lichtgeschwindigkeit und appliziert sie punktgenau auf den Tumor.

Die neue Ionentherapie ist eine höchst vielversprechende Entwicklung, die weltweit zum Bereich der absoluten Spitzentechnologie zählt. Die Bestrahlung der an Krebs erkrankten Patienten/innen erfolgt mit Kohlenstoffionen und Protonen – speziellen Strahlen mit anderen physikalischen Eigenschaften, als sie die in der Krebstherapie bisher verwendeten Photonenstrahlen (Röntgenstrahlen) aufweisen. Ionen können punktgenau auf den Tumor abgegeben werden und auf den Millimeter genau so tief eindringen, wie man das möchte. Außerdem sind die „Schweren“ unter den Ionen – zum Beispiel Kohlenstoffionen – biologisch effektiver als Photonen: Sie wirken dreimal so stark auf die Tumorzellen und sind schonender zum Normalgewebe. „Aufgrund dieser Eigenschaften wird in Österreich erstmals die Behandlung von anatomisch schwierigen Situationen und von Tumorarten möglich sein, die heute gar nicht oder nicht effizient behandelbar sind“, erläutert Univ.-Prof. Dr. Felix Sedlmayer, Leiter des radART-Institutes und Primar der Universitätsklinik für Radiotherapie und Radio-Onkologie.


„Väter“ des Erfolgs: die Leiter des radART-Institutes, Univ.-Prof. Dr. Felix Sedlmayer (li.) und Mag. Heinz Deutschmann.


Mittels hochmoderner Patientenpositionier-Roboter ist eine millimetergenaue Ausrichtung der Patienten/innen möglich. „Die Steuerung eines Linearbeschleunigers ist ähnlich riskant wie das Führen eines Skalpells“, sagt Mag. Heinz Deutschmann, Administrativer Leiter des radART-Institutes. Seine Forscher, weltweit anerkannte Experten auf diesem Sektor, liefern das dazu nötige Softwarepaket für die Gesamtsteuerung – eine Weiterentwicklung des institutseigenen Programms „open-radART“. Dieses wurde über viele Jahre entwickelt und im klinischen Betrieb an der Universitätsklinik für Radiotherapie und Radio-Onkologie etabliert.

Die Kooperation mit MedAustron stellt mit 3,1 Millionen Euro den bis dato größten Einzelforschungsauftrag an der Paracelsus Universität dar. Mithilfe des maßgeschneiderten Software-Paketes des radART-Institutes werden im Endausbau des MedAustron-Zentrums pro Jahr 1.400 Patienten/innen aus ganz Österreich ambulant behandelt und 24.000 Bestrahlungsvorgänge durchgeführt. Ab Ende 2015 soll der erste Patient in Wiener Neustadt mit Ionen bestrahlt werden.

Zu diesem Zweck sollen in möglichst vielen Zentren Ärzte/innen und Physiker/innen ausgebildet werden, die dann in Wiener Neustadt in der Behandlung tätig sein und das „Bindeglied“ in die Bundesländer sein sollen. An der Universitätsklinik für Radiotherapie und Radio-Onkologie als erstem Kooperationspartner wird derzeit ein Facharzt mit Schwerpunkt Ionentherapie ausgebildet, der ab 2016 in Wiener Neustadt für die Salzburger Patienten zuständig sein wird. Seit letztem Jahr wird zusätzlich auch eine Medizinphysikerin für ihre zukünftige Tätigkeit am MedAustron geschult.


Die Mitarbeiter/innen des radART-Instituts sind weltweit anerkannte Experten für Technologieentwicklung in der Strahlentherapie.