David-Sackett-Preis für Arbeitsgruppe "Präoperative Diagnostik"

20.03.2013


Einige Vertreter der "PROP"-Arbeitsgruppe nahmen den David-Sackett-Preis 2013 stellvertretend entgegen.



Der diesjährige "David-Sackett-Preis" des Deutschen Netzwerkes Evidenzbasierte Medizin e.V. geht an eine 12-köpfige Arbeitsgruppe aus Österreich, Deutschland und Italien, darunter federführend an Wissenschafter des Instituts für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin der Paracelsus Universität.

Stellvertretend für die Projektgruppe traten fünf Wissenschafter mit ihrer Arbeit "PROP (präoperative Diagnostik): Der Weg von der Erfassung der gängigen Praxis über eine systematische Übersichtsarbeit zur Entwicklung einer evidenzbasierten elektronischen Entscheidungshilfe, deren Implementierung und Evaluation" an: Univ.-Prof. Dr. Andreas Sönnichsen (Institut für Allgemeinmedizin der Universität Witten/Herdecke und Institut für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin der Paracelsus Universität), Dr. Maria Flamm (Abteilung für Evidenzbasierte Medizin der Donau-Universität Krems und Institut für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin der Paracelsus Universität), Dr. Tim Johannson (Institut für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin der Paracelsus Universität), Univ.-Doz. Dr. Karl Entacher (Fachbereich Informationstechnologie der Fachhochschule Salzburg) und Dr. Gerhard Fritsch (Universitätsklinik für Anästhesiologie der Paracelsus Universität Salzburg).

Im Rahmen einer Erhebung mit 1363 konsekutiven Patienten mit elektiven Operationen – mehrheitlich kleinere orthopädische Operationen, Hals-Nasen-Ohren-Eingriffe und allgemeinchirurgische Eingriffe – wurden epidemiologische Grundlagen generiert. 5879 Tests wurden präoperativ durchgeführt. Die Leitlinien-basierte PROP-Software identifizierte, dass bei 66 Prozent der Patienten keine weiteren Untersuchungen als körperliche Untersuchung und medizinische Befragung notwendig gewesen wäre, aber dennoch 3380 weitergehende Tests durchgeführt wurden. Dies betraf insbesondere großes Blutbild, Leberwerte, Gerinnungsparameter, Elektrolyte, EKG, Thorax-Röntgen.

In einer weitergehenden Analyse der Daten, die in "Acta Anaesthesiologica Scandinavica" publiziert ist, zeigte die Arbeitsgruppe, dass selbst die durch diese umfangreiche präoperative Diagnostik erhobenen, meist zufällig entdeckten pathologischen Befunde keinen prädiktiven Wert für peri- und postoperatives Outcome besaßen. Eine online verfügbare elektronische Entscheidungshilfe namens "PROP" wurde programmiert, mithilfe derer der behandelnde Arzt anamnestische Daten und Untersuchungsdaten, Operationsschwere, Patientenalter und Geschlecht eingeben kann. Das Programm schlägt daraufhin die präoperativen Untersuchungen vor. PROP wurde 2009 für Salzburger Krankenhäuser als auch im niedergelassenen Bereich durch Schulungen von Klinikärzten und Allgemeinmedizinern implementiert. Als Anreiz zum Einsatz von PROP für Allgemeinmediziner wurde eine Vereinbarung mit den Sozialversicherungsträgern über eine neue Abrechnungsziffer geschaffen.

Die Auswirkungen des Einsatzes von PROP wurden in einer nicht-randomisierten Vergleichsstudie mit historischer Kontrolle evaluiert. Das Ergebnis: Hatten 98 Prozent der Patienten vorher mindestens einen unnötigen Test erhalten, waren es nachher 32 Prozent. Es gab auch einen Trend zu einem Anstieg an nicht durchgeführten, jedoch laut PROP indizierten Untersuchungen. Weitere klinische Studien werden folgen.