Entwicklung von „Bio-Drohnen“ an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg

08.05.2020

Das südkoreanische Biotechnologie-Unternehmen MDimune setzt auf die Forschungsexpertise der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU): Nanovesikel aus menschlichen Zellen werden als "Bio-Drohnen" verwendet und schleusen therapeutische Substanzen zielgerichtet in den Körper ein. Salzburg beweist dadurch seine international wahrgenommene Stärke in der Biomedizin.


Salzburg/Seoul. Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg (PMU) und das südkoreanische Biotechnologie-Unternehmen MDimune kooperieren künftig in der Forschung und Entwicklung auf dem zukunftsweisenden Gebiet der Nanovesikulären Therapeutika. Bedingt durch die Covid-19-Einschränkungen wurde das Abkommen per Videokonferenz besiegelt. Die mit einem Gesamtvolumen von mehr als 2,2 Millionen Euro ausgestatteten Verträge haben eine Laufzeit von zwei Jahren, mit der Option auf längerfristige Weiterführung. Univ.-Prof. Herbert Resch (Rektor der PMU) und Mr. Shin-Gyu Bae (Eigentümer und Gründer von MDimune) betonten die Wichtigkeit dieser Zusammenarbeit für die Vertragspartner und die Hoffnung, die Entwicklungsstrecke bis zur klinischen Prüfung neuartiger, zellbasierter "Bio-Drohnen" langfristig gemeinsam zu verfolgen. "Die Kooperation mit MDimune hat eine wichtige strategische Bedeutung für die Paracelsus Universität und bestätigt unsere Entscheidung, das GMP-Labor für eine sichere und kontrollierte Entwicklung neuartiger Zelltherapien zu etablieren", erklärte Rektor Herbert Resch.

MDimune verfolgt mit einem patentierten Verfahren ("Bio-Drohnen" oder BioDrone®Technology) das Ziel, menschliche Zellfragmente oder Nanovesikel als Träger von therapeutischen Wirkstoffen zur Behandlung einer Reihe von Krankheiten einzusetzen. So kann man den Transport von Medikamenten besser steuern und die Effekte dieser "verpackten" Wirkstoffe in den Zielgeweben erhöhen. Mit Hilfe der Wissenschafter/innen der Paracelsus Universität erwartet das Biotechnologie-Unternehmen, den in Südkorea entwickelten Prozess rasch auf den notwendigen pharmazeutischen Standard zu heben, um erforderliche klinische Studien zur Testung – unter anderem bei Krebs- oder chronischen Lungenerkrankungen – zu beginnen.

Im Bild oben v.l.n.r.: Michael Nake, Mario Gimona, Herbert Resch und Eva Rohde von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität bei der Online-Zeremonie.

Das GMP-Labor der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität ist seit Jahren international erfolgreich in der pharmazeutischen Herstellung neuartiger, zellbasierter Therapien tätig. Durch die in Salzburg etablierte Reinraum-Technologie ist das GMP-Team in der Lage, Substanzen aus menschlichem "Ausgangsmaterial" – wie zum Beispiel Stammzellen – in solcher Qualität herzustellen, dass diese am Menschen getestet werden dürfen. GMP bedeutet "Good Manufacturing Practice" oder die "Gute Herstellungspraxis": Nach diesen strengen Regeln, die der Qualität und Sicherheit dienen, werden gemäß pharmazeutischen Standards alle Medikamente produziert. Univ.-Doz. Dr. Mario Gimona leitet das im GMP-Labor angesiedelte Forschungsprogramm „Nanovesikuläre Therapien“. Gemeinsam mit der Direktorin des GMP-Labors, Univ.-Prof. Dr. Eva Rohde (auch Vorständin des Universitätsinstituts für Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Salzburg) wird die konkrete Planung und Durchführung von klinischen Forschungsprojekten zur Testung der Wirksamkeit von menschlichen Zell-Nanovesikeln für die Regeneration von geschädigten Geweben angestrebt.

Im Bild oben: Tae Kee Jeong, Shin-Gyu Bae, Hui-Chong Lau und Seung Wook Oh repräsentierten MDimune.

Fotos (3): PMU/wildbild


Hintergrund
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Mit der Wissenschafts- und Innovationsstrategie (WISS 2025) investiert das Land Salzburg in Forschung und Technologie, um als moderner Wirtschaftsstandort zu punkten. Einer der Schwerpunkte im Bereich Life Sciences ist die Forschung zum Thema "Nanovesikuläre Therapien". Das Transferzentrum für Extracellular Vesicles Theralytic Technologies (EV-TT) bündelt diese speziellen Kompetenzen am Standort Salzburg: EV-TT ist eine 2019 gegründete Kooperation von Paracelsus Medizinischer Privatuniversität, Universitätsklinikum Salzburg und Paris-Lodron-Universität Salzburg.

Mit Unterstützung des Landes Salzburg, der ITG – Innovationsservice für Salzburg und durch die Einwerbung von EU-Mitteln ist es gelungen, ein überregional sichtbares Kompetenzzentrum zu schaffen. Das EV-TT Zentrum entwickelt aus der biologischen, pharmazeutischen und chemischen Grundlagenforschung neue Technologien für den therapeutischen Einsatz von extrazellulären Vesikeln (EV). Daneben steht auch die Anwendung der Ergebnisse mit Unternehmen im Mittelpunkt.

Das EV-TT-Zentrum ist ein Leitprojekt der WISS 2025 und wird vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, Investitionen in Wachstum und Beschäftigung (IWB/EFRE) und vom Land Salzburg gefördert. Die Projektkosten für vier Jahre betragen rund 3,6 Mio. Euro, davon werden 65 Prozent aus dem IWB-Programm finanziert. Die ITG – Innovationsservice für Salzburg unterstützt Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Bundesland bei Innovationsvorhaben. Als wichtige Umsetzungspartnerin für die Wissenschafts- und Innovationsstrategie des Landes Salzburg entwickelt sie mit Forschungseinrichtungen und ihren Partnern Projekte und hilft bei der Einreichung zur WISS-Förderung.


Internationale Pressemeldungen zum Thema
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https://bit.ly/3dugjPA

https://bit.ly/2xITPv6

https://bit.ly/2zh8u14