Forschungserfolg an der PMU: Wie Hörimplantate besser einheilen

07.06.2021

Hörverlust ist die häufigste neurodegenerative Störung beim Menschen überhaupt. Mehr als 450 Millionen Menschen sind weltweit davon betroffen. Viele der schwer erkrankten Patienten bekommen ein elektronisches Hörimplantat chirurgisch eingesetzt. Aktue und chronische Entzündungen verursacht durch das Trauma des Implantationsvorgangs können das erkrankte Innenohr weiter schädigen.

Im GMP-Labor der PMU wird zur regenerativen Medizin rund um nanovesikuläre Stammzell-Therapeutika intensiv geforscht. 

Bereits in ihren Vorarbeiten konnten Univ.-Doz. Dr. Mario Gimona und Univ.-Prof. Dr. Eva Rohde in Kooperation mit der Medizinischen Hochschule Hannover zeigen, dass die Verabreichung des nanovesikulären Therapeutikums nach Lärmschädigung die Sinneszellen im Ohr schützen und den Hörverlust verringern kann. Basierend auf diesen Daten wurde die Hypothese aufgestellt, dass extrazelluläre Vesikel von menschlichen Stammzellen therapeutische Wirkungen im Innenohr entfalten und Entzündungen abschwächen können. Nun berichten die Salzburger Forscher im Fachjournal "Journal of Extracellular Vesicles" über die 24-monatige Nachbeobachtungszeit der weltweit ersten Verabreichung des nanovesikulären Therapeutikums beim Menschen.

Ein Patient mit beidseitigem Hörverlust erhielt 2014 das erste Hörimplantat. 2018 wurde ein zweites, identisches Implantat, diesmal aber in Kombination mit der gleichzeitigen, intracochlearen Verabreichung des nanovesikulären Therapeutikums eingesetzt. Innerhalb der Nachbeobachtungszeit wurden keinerlei medizinische Auffälligkeiten, die auf eine mögliche problematische Reaktion des Körpers auf das Therapeutikum schließen lassen, aufgezeichnet. Tatsächlich wurde sogar eine Verbesserung des Sprachverständnisses auf der mit dem nanovesikulären Therapeutikum behandelten Seite beobachtet. Eine kritische Bewertung dieses Einzelfalls zeigt, dass extrazelluläre Vesikel von menschlichen Stammzellen als vielversprechendes Therapeutikum für den Einsatz im Innenohr dienen können. Eine entsprechende weiterführende klinische Studie dazu ist derzeit in Vorbereitung.

Nähere Informationen dazu im EV-TT Transferzentrum.