Hoffnungsträger "Passive Immunisierung" durch Blutplasma bereits genesener Covid-19-Patienten

21.04.2020

Weltweit arbeiten Wissenschafter/innen an Medikamenten und Impfstoffen gegen das Coronavirus SARS-CoV-2. Allerdings wird es noch einige Zeit dauern, bis erfolgreiche Mittel zur Behandlung oder Verhinderung von Covid-19 entwickelt sind. Deshalb werden diese für die meisten akut erkrankten Covid-Patienten zu spät kommen. Eine der derzeit größten Hoffnungen im Kampf gegen das neue Coronavirus sind Antikörper, die man aus dem Blutplasma von bereits genesenen Covid-19-Patienten gewinnt. Diese Methode der "passiven Immunisierung" hat man bereits gegen die Spanische Grippe und zuletzt gegen Ebola eingesetzt. An den Unikliniken in Salzburg und Graz konnte man bereits bei ersten Patienten Erfolge verzeichnen.

Das Team des Universitätsinstituts für Transfusionsmedizin am Uniklinikum Salzburg unter der Leitung von Eva Rohde (Bild links) konnte nun innerhalb kürzester Zeit ein Verfahren zur Gewinnung des antikörperhaltigen Blutplasmas entwickeln. Eva Rohde betont, dass man in Salzburg derzeit rund 50 ehemalige Coronapatienten als Plasmaspender in der engeren Wahl habe. "Ein ehemaliger Covid-19-Patient kann im Schnitt antikörperhaltiges Blutplasma für einen aktuellen Patienten spenden", erklärt die Primaria, die auch als Direktorin das GMP-Labor der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität leitet.

Mittlerweile hat das Rote Kreuz zu Blutplasmaspenden aufgerufen. Wer am Corona-Virus erkrankt war und wieder gesund ist, kann sich als potenzielle/r Spender/in direkt bei der Gesundheitsberatung 1450 des Roten Kreuzes Salzburg registrieren lassen, die Daten werden an das Universitätsinstitut für Transfusionsmedizin weitergeleitet. Das Plasma sei im gefrorenen Zustand zwei Jahre lang haltbar.

Infrage kommen für diese Therapie vor allem immunschwache Menschen. Ein Salzburger Patient bekam drei Infusionen, nachdem bei ihm seit fünf, sechs Wochen keine Besserung in Sicht war. Dieser Patient mit stark unterdrücktem Immunsystem habe auch zwei weitere vielversprechende Medikamente - Remdesivir gegen die Virenvermehrung und Tocilizumab zur Immunmodulation - parallel dazu erhalten, erklärt Prof. Richard Greil, Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin 3 und leitender Coronamediziner in Salzburg. Mittlerweile muss er nicht mehr beatmet werden.

Zu große Euphorie sei dennoch verfrüht. "Der Körper scheint auf das neue Coronavirus sehr schnell Antikörper zu bilden. Theoretisch könnten sie aber nicht voll ausgereift sein und daher stellt sich die Frage, wie schützend sie wirklich sind und wie lang sie bestehen bleiben", betont Greil.

Quelle: https://www.sn.at/panorama/wissen/hartes-ringen-um-medikamente-gegen-das-neue-coronavirus-86499703 © Salzburger Nachrichten VerlagsgesmbH & Co KG

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