Hormonbedingtes Pankreaskarzinom: Forschungsgruppe entdeckt Mechanismus für Entartung

16.07.2020

Neuroendokrine Tumoren der Bauchspeicheldrüse sind selten, gleichzeitig gibt es derzeit aber auch nur wenige Therapiemöglichkeiten. Forscher/innen konnten nun die Mechanismen der Entartung klären, woraus sich möglicherweise auch eine neue Behandlungsoption ergibt: Nämlich eine Mutation an dem Gen, das das Telomerase-Enzym TERT, aktiviert. Diese Erkenntnis könnte zu einer gezielteren Therapie von Patienten/innen führen, die die Mutation in sich tragen. Die Arbeit ist eine Forschungskooperation der MedUni Wien, der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg und der Medizin Uni Innsbruck und entstand unter der Leitung der MedUni Wien. Sie wurde nun im Fachmagazin Cancers publiziert. Vonseiten der Paracelsus Universität in Salzburg waren das Institut für Pathologie (Daniel Neureiter) und die Universitätsklinik für Innere Medizin I (Tobias Kiesslich) beteiligt.

Zwischen 80 und 160 Personen erkranken pro Jahr an einem neuroendokrinen, also hormonbedingten, Tumor der Bauchspeicheldrüse. Die Tendenz ist stark steigend, betroffen sind meist ältere Menschen. Zehn Prozent dieser Tumoren sind erblich, der Rest tritt sporadisch auf. Es ist bekannt, dass bei den erblichen Tumoren eine aktivierende Mutation eines bestimmten Gens vorliegt: die der Telomerase Reverse Transcriptase (TERT).

Mutation aktiviert Telomerase. Die Gründe für die Entartung der nichterblich bedingten Tumoren waren bislang unbekannt. Die Forscher/innen um Klaus Holzmann, Institut für Krebsforschung der MedUni Wien sowie Mitglied des Comprehensive Cancer Center (CCC) der MedUni Wien und des AKH Wien, konnten in der aktuellen Arbeit zeigen, dass auch in dieser Patientengruppe bei rund 10 Prozent eine Mutation in der TERT-Region vorliegt. Für ihre Analyse setzten sie ein hochsensitives Verfahren zur Sequenzierung der DNA, die so genannte Pyrosequenzierung, ein. Holzmann: "Die TERT Gen Promoter Mutation führt dazu, dass das Enzym Telomerase vermehrt gebildet wird. Die Telomerase ermöglicht es Zellen, sich unendlich zu teilen, was zu Krebs führt. Würde es gelingen, die Bildung der Telomerase zu hemmen, könnte man auch das unkontrollierte Wachstum stoppen."

Da bereits Medikamente entwickelt werden, die in anderen Krebsformen gegen die Bildung von Telomease zum Einsatz kommen sollen, besteht die Hoffnung, dass diese auch gegen das neuroendokrine Pankreaskarzinom wirken könnten. Die Ergebnisse müssen noch in weiteren Studien geprüft und weiterentwickelt werden, könnten aber einen neuen zielgerichteten Therapieansatz darstellen.

Was Telomerase bewirkt. Telomere sind "Kappen" am Ende der Chromosomen, die die Chromosomen davor schützen aufzubrechen und damit quasi "auszufransen", was Zellschäden zur Folge hätte. Bei jeder Zellteilung verkürzen sich die Telomere. Sind die Telomere zu kurz oder verliert die Zelle die Fähigkeit, Telomerase zu bilden, leitet sie den Zelltod ein. Das Enzym Telomerase kann Telomere aufrechterhalten beziehungsweise ihre ursprüngliche Länge wiederherstellen. Viele Tumoren haben die Fähigkeit, Telomerase zu reaktivieren, was in Folge unbegrenztes Wachstum ermöglicht.

Cancers "Hot Spot TERT Promoter Mutations Are Rare in Sporadic Pancreatic Neuroendocrine Neoplasms and Associated with Telomere Length and Epigenetic Expression Patterns."
Alexandra Posch, Sarah Hofer-Zeni, Eckhard Klieser, Florian Primavesi, Elisabeth Naderlinger, Anita Brandstetter, Martin Filipits, Romana Urbas, Stefan Swiercynski, Tarkan Jäger, Paul Winkelmann, Tobias Kiesslich, Lingeng Lu, Daniel Neureiter, Stefan Stättner, Klaus Holzmann
Cancers 2020, 12, 1625; doi:10.3390/cancers12061625.