JAMA-Publikation zu Kniegelenksbeschwerden: Diät oder Training? Doppelt hält besser!

04.11.2013

3D-Rekonstruktion Kniegelenk der PMU-Anatomie

Eine internationale Forschergruppe unter der Leitung von Prof. Stephen P. Messier von der Wake Forest University in Winston-Salem (NC, USA) hat unter Beteiligung des Instituts für Anatomie und muskuloskelettale Forschung der PMU den Zusammenhang von Gewichtsabnahme in Kombination mit regelmäßigem Training auf die Reduktion von Knieschmerzen untersucht. In einem aktuellen Artikel berichtet das Forscherteam, dass Diät und begleitendes Training eine stärkeren Reduktion von Knieschmerzen, eine bessere Kniefunktion und gesundheitsbezogene Lebensqualität bedingen als Diät oder Training alleine.

Die in der Fachzeitschrift JAMA (Journal der American Medical Association) publizierte Interventionsstudie untersuchte ältere, übergewichtige Frauen und Männer, welche sich über 18 Monate einer Diät (mit dem Ziel einer zehnprozentigen Gewichtsabnahme) und/oder regelmäßigem körperlichem Training (Aerobic und Krafttraining, dreimal wöchentlich eine Stunde) unterzogen. Die Wissenschafter untersuchten dabei vor allem auch die Mechanismen, die zu einer Besserung von Kniegelenksbeschwerden führten. Fazit: Die im Gelenk wirkenden Kräfte reduzierten sich durch regelmäßiges Training und vor allem durch Gewichtsabnahme signifikant; Entzündungsparameter (Plasma Interleukin-6) gingen unter Diät stärker zurück als unter Training.

Andere Studien legen nahe, dass Übergewicht nicht nur durch mechanische Überbelastung zur Schädigung von Gelenke (Arthrose) führt: Fettzellen sezernieren anscheinend auch auf dem Blutweg entzündungsfördernde Botenstoffe, die an der Entstehung der Arthrose ursächlich beteiligt sind. Der Gewichtsreduktion kommt daher nicht nur eine mechanische, sondern auch eine wichtige metabolische Rolle in der Behandlung und Vorbeugung der Arthrose zu.

Bereits seit einiger Zeit widmet sich die Arbeitsgruppe von Institutsleiter Univ.-Prof. Dr. Felix Eckstein dem Zusammenhang von Muskulatur und Arthrose. Im Rahmen eines vom PMU-Forschungsförderungsfond unterstützten Projektes hat die Arbeitsgruppe kürzlich neue Bildanalysemethoden entwickelt, mit denen sich die Körperzusammensetzung (Fett/Muskel) exakter bestimmen lässt als mit herkömmlichen Verfahren. "Wir wollen diese Forschungsrichtung weiter ausbauen und erwarten, dass wir hieraus Wesentliches über die zur Arthrose führende Mechanismen lernen. Die jetzt publizierte Studie ist ein großer Ansporn, dass wir hierbei auf der richtigen Fährte sind", sagt Felix Eckstein, der auf eine multi-disziplinäre Arbeitsgruppe von Medizinern und Informatikern an der Paracelsus Universität zurückgreifen kann.

Arthrose ist die mit Abstand häufigste Erkrankung der Gelenke, das Lebenszeitrisiko beträgt 45 Prozent und das mittlere Diagnosealter 56 Jahre. Dieses Leiden verursacht in den westlichen Industrienationen ein ebenso hohes Ausmaß an körperlicher Einschränkung wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, und diese beiden mehr als jede andere medizinische Erkrankung. Das Knie ist das am häufigsten betroffene Gelenk; die Zahl der jährlich implantierten Kniegelenksprothesen hat sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt und bei jüngeren Personen überproportional zugenommen. Sollte Übergewicht in der Bevölkerung weiter um sich greifen, werden ein weiterer starker Anstieg von Gelenksersatz-Operationen und eine hiermit verbundenen Kostenexplosion im Gesundheitswesen erwartet.