Neues aus dem Institut für Pflegewissenschaft und -praxis: Neues Collaborating Centre der WHO und Start des Projekts InTherAKT

18.02.2016

  Institut für Pflegewissenschaft und -forschung zum Collaborating Centre der WHO ernannt

Das Institut für Pflegewissenschaft und -praxis der Paracelsus Universität freut sich über eine große Ehre: Es wurde zum "WHO Collaboration Centre for Nursing Research and Education" ernannt. Damit ist das Institut die erste so ausgezeichnete Einrichtung im deutschsprachigen Raum unter pflegewissenschaftlicher Leitung. In Österreich gibt es bislang nur zwei weitere Collaborating Centres der Weltgesundheitsorganisation: das Ludwig Boltzmann Institute Health Promotion Research (Collaborating Centre for Health Promotion in Hospitals & Health Care) und die Gesundheit Österreich GmbH – GÖG (Collaborating Centre for Pharmaceutical Pricing and Reimbursement Policies).

"Als Collaborating Centre übernimmt das Institut Aufgaben rund um Themen zur Versorgungsforschung, Primärversorgung und universitärer pflegebasierter Studiengänge. Im Rahmen der Versorgungsforschung unterstützt es die WHO beispielsweise dabei, einen multidisziplinären und interprofessionellen Palliativpflege-Lehrplan für alle 53 Mitgliedsländer der europäischen WHO-Region zu erstellen, diesen zu testen und während der Implementierungsphase in diesen Ländern beratend zu unterstützen", erklärt Institutsvorstand Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Osterbrink.

Am 20. und 21. Jänner 2016 stattete Prof. Dr. Kay Currie (Bild oben), Assistant Head of Department in Nursing & Community Health und Director of the Glasgow Caledonian University WHO Collaborating Centre for Nursing Education, Research & Practice Development, dem Institut für Pflegewissenschaft und -praxis einen Besuch ab. Am ersten Tag nahm sie zusammen mit Vorstand Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Osterbrink und zwei Vertreterinnen des WHO Regional Office for Europe an einem Network Meeting der europäischen WHO Collaborating Centres in Nursing Science teil. Am zweiten Tag hielt Prof. Currie einen Workshop für "Grounded Theory – Methods and Analysis" an der Paracelsus Universität ab.

  Start des Versorgungsforschungsprojekts InTherAKT zur Arzneimittelsicherheit in Altenheimen

Die Arzneimitteltherapie von alten Menschen ist eine besondere Herausforderung. Schon lange ist bekannt, dass gerade Bewohner von Altenheimen oft viele Medikamente einnehmen müssen, wodurch das Risiko für unerwünschte Arzneimittelereignisse ansteigt. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz, Depression, Inkontinenz oder Schmerzen sind die häufigsten Gründe für Arzneimittelverordnungen bei den meist über 80-Jährigen.

Das neue Forschungsprojekt InTherAKT – Initiative zur (Arzneimittel-)Therapiesicherheit in der Altenhilfe durch Kooperation und Teamwork – der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg will hier Abhilfe schaffen: Gemeinsam mit 14 heimversorgenden Hausärzten und 11 Apotheken stellt ein Forscherteam der Paracelsus Universität die Arzneimitteltherapie in neun Münsteraner Altenheimen auf den Prüfstand. Geleitet wird das Projekt von Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Osterbrink, Vorstand des Instituts für Pflegewissenschaft und -praxis, und Univ.-Prof. Dr. Maria Flamm, MPH, Vorständin des Instituts für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin. In einer Pressekonferenz am 27. Jänner 2016 in Münster wurde InTherAKT der Öffentlichkeit vorgestellt.

Im Bild v.l.n.r.: Kai Martens (Geschäftsleitung Grünenthal Deutschland), Prof. Dr. Hugo van Aken (European Safety Foundation), Dr. Oliver Schwalbe (Apothekerkammer Westfalen-Lippe), Dr. Bernhard Thülig (Bezirksregierung Münster), Frank Jansing (Leiter Altenheim Wohnstift am Südpark und Kardinal- von-Galen-Stift Münster), Karin Reismann (Bürgermeisterin der Stadt Münster), Dr. Ralf Becker (Hausärzteverbund Münster) und Prof. Jürgen Osterbrink (Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Projektleiter).

Ziel des auf zwei Jahre angelegten Versorgungsforschungsprojekts: Weniger unerwünschte Arzneimittelereignisse, Verbesserung der Gesundheit und Lebensqualität der Bewohner sowie bessere  Kommunikation und Kooperation zwischen den beteiligten Berufsgruppen. Bei InTherAKT erarbeiten Ärzte, Apotheker und Pflegende neue Lösungen. Sie werden gemeinsam die Medikation von Bewohnern in neun Münsteraner Altenheimen auf den Prüfstand stellen und gleichzeitig Kommunikation und Kooperation verbessern.

"Bisher gibt es nur wenige Daten zur Arzneimittelsicherheit in Altenheimen", berichtet Projektleiter Jürgen Osterbrink. „Aber wir wissen, dass Heimbewohner in Deutschland durchschnittlich 3,6 verschiedene Arzneistoffe pro Tag einnehmen. 13 Prozent der Bewohner bekommen sogar über 60 Verordnungen pro Jahr. Kein Wunder, dass medikamentöse Nebenwirkungen in Altenheimen an der Tagesordnung sind." Eine Untersuchung aus 11 Altenheimen in NRW mit knapp 800 Heimbewohnern zeige eine Rate von gut 10 Prozent an so genannten unerwünschten Arzneimittelereignissen (UAE).

An der operativen Ausführung sind neben den wissenschaftlichen Mitarbeitern der universitären Institute in erster Linie der Hausärzteverbund Münster, die Apothekerkammer Westfalen-Lippe sowie die beiden Arbeitsgemeinschaften der Münsterschen Altenheime beteiligt.