Öffentliche Vorlesung "Welche Werte tragen ein modernes Medizinsystem?" im Gedenken an Julian Frick

20.04.2013



Welche Werte treiben ein Medizinsystem voran und lassen es dabei menschlich bleiben? – Dieser Frage gingen Rektor Herbert Resch, Martina Paulmichl, Barbara Maier, Katharina Paulmichl und Ernst Wolner (v.l.n.r.) nach.



"Welche Werte tragen ein modernes Medizinsystem?" – Diese Frage stand am 20. April 2013 im Mittelpunkt einer öffentlichen Vorlesung an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität. Die Veranstaltung war dem im Vorjahr verstorbenen Mitbegründer und Ehrenrektor der Paracelsus Universität, Univ.-Prof. Dr. Julian Frick, gewidmet. Das Leben und Schaffen des Urologen Frick waren ganz der Medizin und den Patienten/innen verschrieben, seine Werte und ethischen Grundsätze beinflussten seine medizinische Arbeit und im Besonderen auch die Grundhaltung "seiner" Universität.

So würdigte ihn der erste Referent, PMU-Rektor Univ.-Prof. Dr. Herbert Resch, als besonderen Arzt und Menschen mit  vorbildlichen Werten und Haltungen gegenüber Patienten/innen, Kollegen/innen, Studierenden und Mitmenschen. Resch berichtete von einigen Erlebnissen mit seinem Freund und Kollegen Julian Frick – sei es bei der Gründung der Paracelsus Universität oder im klinischen Umfeld –, die dessen ethische Grundsätze und moralische Einstellung beispielhaft darstellten. Fricks Sorge galt, so Resch, nicht nur dem medizinischen Zustand seiner Patienten, sondern auch dem seelischen Befinden. Stippvisiten um 10 Uhr abends seien für seinen Freund keine Seltenheit gewesen – so sehr war er um das Wohlergehen seiner Schützlinge besorgt.

In die gleiche Kerbe schlug die Tochter des Gewürdigten, Dr. Martina Paulmichl. Die Medizin und seine Patienten seien das Wichtigste im Leben des Arztes gewesen, erzählte sie den Anwesenden. Seine Bestimmung sei Julian Frick bereits in die Wiege gelegt worden und habe sich immer mehr entwickelt. Dass zwei seiner Enkeltöchter in die Fußstapfen ihres Großvaters treten, erfülle sie auch mit Sorge: denn die Liebe zum Arztberuf und die Hingabe dafür seien besonders für Frauen nur schwer mit der familiären Rolle zu vereinbaren.

Eine der angesprochenen Enkeltöchter, Dr. Katharina Paulmichl, ist Ärztin an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Salzburg. In der Vorlesung "Ethik in der Medizin" an der Paracelsus Universität vermittelt sie den Studierenden die ethischen und moralischen Grundlagen des Arztberufes und im Umgang mit den Patienten/innen. Das sei nicht immer leicht und erfordere viel Gespür für die Thematik, sagte sie im Anschluss an ihre Mutter: denn besondere Situationen und schwierige Entscheidungen würden die Mediziner/innen immer wieder fordern. Sie versuche den Studierenden ethische Sensibilität zu vermitteln. Empathie sei ebenfalls eine wichtige Sache, aber leider nicht erlernbar.

Geleitet wird die Ethikvorlesung für die PMU-Medizinstudierenden im ersten Studienjahr von Univ.-Prof. DDr. Barbara Maier, Primaria der Abteilung für Geburtshilfe und Frauenheilkunde des Hanusch-Krankenhauses in Wien. Diese sprach über die hohen ethischen Grundsätze von Julian Frick und seine Intention, diese im Curriculum fest und prominent zu verankern, um die angehenden Ärzte/innen diesbezüglich gut auszustatten. Maier erwähnte auch die vielfältigen Themenfelder von Ethik, Moral und Normen sowie ihre Problemfelder in der Medizin und im Gesundheitswesen, aber auch in der Gesellschaft.

Auf die verschiedenen Aspekte von Ethik und Moral in medizinischen und medizin-assoziierten Bereichen ging auch der letzte Referent, Univ.-Prof. Dr. Ernst Wolner, ein. Der ehemalige Leiter der klinischen Abteilung für Herz- und Thoraxchirurgie an der Universitätsklinik für Chirurgie in Wien und Präsident des Obersten Sanitätsrates der Republik ist Mitglied der Bioethik-Kommission des Bundeskanzlers. Er stellte unter anderem umstrittene "Werbeaktionen" von Ärzten/innen und Kliniken zur Diskussion. Auch die ethische Problematik  der "Güterabwägung" bei aufwändigen Operationen oder Transplantaten wurde von ihm angesprochen.

In der anschließenden Publikumsrunde wurden noch etliche Themen diskutiert, die den Ärzten/innen, Wissenschaftern/innen und Studierenden bezüglich Werten und Moral im Berufsleben am Herzen liegen. Auch beim gemütlichen Get-Together mit Stärkung vom Buffet wurde noch die eine oder andere Thematik besprochen.