Österreichisch-amerikanisches Forscherteam: Fett-Tröpfchen in Fresszellen schädigen das Gehirn

29.01.2020

Die Fresszellen des Gehirns, so genannte Mikroglia-Zellen, verlieren im Alter ihre Fähigkeit, das Gehirn von schädlichen und absterbenden Bestandteilen zu säubern. Wenn diese "Müllabfuhr" nicht gut funktioniert, schädigt das die Nervenzellen und das Gehirn ist in seiner Funktion beeinträchtigt. Kognitive Beeinträchtigungen bis hin zur Demenz sind die Folgen. Ein österreichisch-amerikanisches Team – geleitet vom renommierten Neurowissenschafter Tony Wyss-Coray von der Stanford Universität und mit Wissenschafterin Julia Marschallinger von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg an der Spitze – entdeckte eine spezielle Art von Mikroglia, die im alternden Gehirn und bei Demenz auftauchen. Diese Fresszellen sind mit kleinen Fetttröpfchen gefüllt, welche sie am Fressen hindern.

Bild oben: PMU-Wissenschafterin Dr. Julia Marschallinger arbeitet zurzeit an der Stanford University im Labor des bekannten Neuobiologen Prof. Tony Wyss-Coray.

In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature Neuroscience beschreibt das Team um Julia Marschallinger, dem neben den PMU-Forschenden Ludwig Aigner und Julia Tevini auch Thomas Felder vom Uniklinikum Salzburg und Heimo Wolinski von der Universität Graz angehören, die Entdeckung dieser speziellen Fresszellen. Sie befinden sich im Hippokampus, jener Region des Gehirns, die fürs Lernen und Gedächtnis essenziell ist.

Bild rechts: Prof. Ludwig Aigner ist Vorstand des Instituts für Molekulare Regenerative Medizin der Paracelsus Universität und erfolgreicher Gehirnforscher.

Angehäuft mit Fett-Tröpfchen, sind die Fresszellen zudem entzündungsfördernd und dadurch zusätzlich schädlich fürs Gehirn. Außerdem produzieren sie destruktive Substanzen, nämlich Sauerstoffradikale, die zelluläre Bestandteile wie Eiweißmoleküle und das Erbgut (DNA) in Mitleidenschaft ziehen. Interessanterweise sind es dieselben Gene, die sowohl die Fetttröpfchen entstehen lassen als auch zu bestimmten Formen von Demenz führen. "Insofern haben wir es hier mit einem essenziellen Mechanismus zu tun, aus dem sich zukünftige Therapieansätze für Demenzerkrankungen entwickeln lassen", erklärt der Salzburger Neurowissenschafter Ludwig Aigner, Leiter des Instituts für Molekulare Regenerative Medizin an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität am Standort Salzburg.

Hier geht es zum Artikel im Journal Nature Neuroscience.