Pandemien: Salzburgs Wissenschafter sind gut vorbereitet

15.09.2005

Der Reiseverkehr rund um den Globus, offene Grenzen, bisherige Erfahrungen mit infektiösen Krankheiten – und nicht zuletzt die aktuelle Diskussion um die drohende Verbreitung der Vogelgrippe  zeigen, daß zwar kein Grund zur Panik besteht,  es aber dennoch höchste Zeit ist, sich mit dem Thema ernst zu beschäftigen. „Infektionsrisiken im 21. Jahrhundert“ war der Titel einer gemeinsamen Veranstaltung, zu der kürzlich die  Paracelsus Medizinische Privatuniversität und die Paris-Lodron Universität  Mediziner und Wissenschafter aus Salzburg und anderen Bundesländern geladen hatte, um das Szenario einer möglichen Pandemie und deren Gegenmaßnahmen zu diskutieren.

Die Universitäten können und sollen sich aktiv an solchen (vorbereitenden) Sicherheitsmaßnahmen beteiligen, sagte der Vizerektor der Paris Lodron-Universität  Albert Duschl – und vor allem das nötige Wissen beisteuern. Auf dieses Wissen kann man gerade in Salzburg  in hohem Maß zurückgreifen – Stichwort Geoinformatik, Impfstoffentwicklung oder Molekulare Medizin.

Das Zentrum für Geoinformatik der NAWI (Leitung Josef Strobl) kann über Verteilung und Fortbewegung von Krankheitserregern Auskunft geben. Die computergestützten Vorhersagen erleichtern Quarantäne- und Versorgungsmaßnahmen und tragen so wesentlich zur Eindämmung von Infektionskrankheiten bei. Wie schnell sich Krankheitserreger ausbreiten können,  hat im Jahr 2003 vor allem SARS gezeigt – via Flugzeug breitete es sich innerhalb von wenigen Wochen über nahezu die ganze Welt aus. Der Leiter des Forschungsbüros der Paracelsus Universität,  Arnulf Hartl, machte die Problematik des schnellen globalen Transfers von Krankheitserregern deutlich: 150 Millionen (!) Flugreisende pro Jahr erfordern neue Methoden zur schnellen Erkennung gefährlicher Erreger und geeignete Gegenmaßnahmen (Notfalls-Impfstoffe, antivirale Pharmazeutika ), um ansteckende Krankheiten wirksam und rasch bekämpfen zu können. Gerade Salzburg als Destination vieler internationaler Touristen – auch aus dem asiatischen Raum, den Ursprungsländern großer Pandemien des 20. Jahrhunderts – kommt hier eine besonders wichtige Rolle zu.

Gerüstet ist man auch  im neuen Mikrobiologischen Labor der Salzburger Landeskliniken, dessen Leiter Matthias Maass das Konzept zur schnellen Diagnostik von gefährlichen Krankheitserregern vorstellte. So ist es schon derzeit möglich, binnen zehn Minuten mit einem analytischen Schnell-Test Grippeviren nachzuweisen - je schneller und genauer ein solcher Test erfolgt, umso wirkungsvoller die Maßnahmen im Katastrophenfall. Landessanitätsdirektor Christoph König und Arno Lechner von der Universitätsklinik für Innere Medizin 3. der SALK gingen hier auch auf die Vorkehrungen des Landes Salzburg und der Universitätskliniken zum Thema Grippepandemie ein.

Eine spezielle Salzburger Entwicklung ist das Dekontaminationssystem ESOPRA, mit dem das Bundesheer in einer Krisensituation einen wesentlichen Beitrag zum Ablauf und im Zusammenspiel mit anderen Einsatzkräften leisten kann. Christian Rabenberger vom Militärkommando Salzburg  hat dieses System mit entwickelt:  es stellt eine Schleuse zwischen einer kontaminierten und einer reinen Zone in einem Gefahrenbereich dar, wodurch die Verschleppung  infektiöser Krankheiten verhindert wird. Infizierte Personen können hocheffizient gereinigt und danach medizinischem Personal oder Sanitätskräften zur weiteren Betreuung übergeben werden.  

Zu den wirkungsvollsten Gegenmaßnahmen gehören Impfungen – in der Impfstoff-Forschung nimmt  Salzburg eine führende Rolle ein. In den Labors der NAWI  wird unter der Leitung von Josef Thalhamer an der Entwicklung von DNA-Vakzinen gearbeitet – das sind Impfstoffe der neuesten Generation, die nur noch „Informationsvorlagen“ für die Immunabwehr des Körpers beinhalten. Sie sind  billiger und einfacher zu produzieren  als herkömmliche Impfstoffe auf Protein-Basis – und sie ermöglichen flexible und extrem schnelle Gegenmaßnahmen gegen neue Krankheitserreger.