Studie zum Trainings- und Spielbetrieb in der Österreichischen Fußball-Bundesliga unter COVID-19-Bedingungen

03.06.2020

Die Paracelsus Universität sammelt und analysiert gemeinsam mit Partnern aus Salzburg und den USA Daten von professionellen Fußballspielern in Österreich, um neue Erkenntnisse zu COVID-19-Risikofaktoren und -Präventionsmaßnahmen im Mannschafts-Spitzensport zu erhalten. Diese könnten auch anderen Organisationen und Personen den Weg für die Rückkehr in den Alltag ebnen.

Mit der Wiederaufnahme des Trainings- und Spielbetriebs in der Österreichischen Fußball-Bundesliga sind Sicherheit, Gesundheit und Wohlbefinden der Athleten samt deren beruflichem Umfeld in den Mittelpunkt gerückt. Unter dem Projekttitel "Risikokontrolle und Prävention von Covid-19 bei professionellen Fußballspielern in Österreich" wird die Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg gemeinsam dem Red Bull Athlete Performance Center in Thalgau und dem in den USA ansässigen Unternehmen Electronic Caregiver die wissenschaftlichen Grundlagen für die kontrollierte Überwachung von Fußballprofis der österreichischen Fußball-Bundesliga bereitstellen. Teilnehmende Clubs sind FC Liefering, FC Red Bull Salzburg, FK Austria Wien, SK Rapid und WSG Swarovski Tirol.

Folgende Maßnahmen wurden als Ziele definiert:

  • Evaluation der Bundesliga-Maßnahmen zur Fortsetzung des Spielbetriebs
  • Implementierung von Monitoring-Tools, Geotracking, Heatmapping unter Normalbedingungen und Life Tracking Data während Training und Spiel
  • Evaluation der Effekte dieser Maßnahmen in der Prävention von COVID-19
  • Erstellen von Risikoprofilen für Spieler der Österreichischen Bundesliga
  • Gegebenenfalls eine Übertragung der Erkenntnisse auf die österreichische Bevölkerung

Messungen mittels App. Die prospektive Kohortenstudie umfasst die regelmäßige Überwachung ausgewählter Gesundheitsparameter bei den Spielern, um infizierte und gefährdete Athleten frühzeitig zu identifizieren. Dazu gehören unter anderem regelmäßige COVID-PCR-Tests und die von Körper- temperatur, Ruhezeiten zwischen Training und Wettkämpfen, Schlafmuster, Herzfrequenzvariabilität und Sauerstoffsättigung. Darüber hinaus liefert die Live-Verfolgung von Spielern während eines Wettbewerbs genaue Informationen über die Gesamtzeit, die Spieler ohne Einhaltung des Sicherheitsabstands von 1,5 Metern verbracht haben. Positionsdaten aller Spieler während des Wettbewerbs werden mittels eines gültigen und genauen optischen Verfolgungsgeräts gesammelt, das Informationen über ihre genaue Position liefert. Im Falle eines positiven PCR-Tests ermöglicht die retrospektive Tracking-Datenanalyse genaue Informationen darüber, wer sich in unmittelbarer Nähe der infizierten Person befand, und über die genaue Expositionszeit.

US-Entwickler liefert Monitoring-Tool. Electronic Caregiver entwickelt mit seiner Marke Addison Care eine digitale Anwendung, mittels der die genannten Gesundheitsparameter überwacht und die Daten zu Training/Wettbewerb, Regenerationsphasen und Geopositionierung gesammelt werden können, und unterstützt die Datenerfassung. Die Ergebnisse dieser Studie werden neue und dringend benötigte Daten zu Prävalenz, Art und Verhalten von COVID-19-bedingten Erkrankungen bei Sportlern liefern und können anderen Organisationen und Einzelpersonen den Weg für die Rückkehr in den Alltag ebnen.

Evidenzbasierte Lösungen für die Zukunft. "Durch die ungewöhnliche Zeit, in der COVID-19 jegliches öffentliche Leben zur Gänze beeinträchtigt hat, gilt es jetzt auch für den Spitzensport Lösungen zu finden, die pragmatisch, nachvollziehbar und übertragbar sind. Das ist gelebte Public Health für einen nicht unwesentlichen Bereich unserer Gesellschaft", sagt Jürgen Osterbrink, Sprecher des Zentrums für Public Health und Versorgungsforschung der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg. "Dafür ist es wichtig, Daten zu sammeln und wissenschaftlich zu analysieren, um neue Erkenntnisse zu COVID-19-Risikofaktoren und -Präventionsmaßnahmen im Mannschafts-Spitzensport zu bekommen. Diese Pandemie ist eine neue Herausforderung für uns alle und wir müssen anhand der Evidenz lernen", ergänzt Maria Flamm, Vorständin des Instituts für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg.

Sicherer Leistungssport im Fokus. "Die Erkenntnisse dieser Studien sollen in jetzigen und zukünftigen Entscheidungsprozessen wissenschaftsbasierend unterstützen, um einen sicheren Leistungssport zu gewährleisten und um die Mechanismen einer COVID-19-Pandemie im Sport-Setting besser auflösen zu können. Diese Erkenntnisse haben Relevanz für den Schul-, Breiten- und Spitzensport", erklärt Thomas Stöggl, wissenschaftlicher Leiter des Red Bull Athlete Performance Centers (APC) und Universitätsprofessor im Bereich der Sportwissenschaft am Fachbereich für Sport- und Bewegungswissenschaft der Universität Salzburg. Auch Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer unterstreicht die Wichtigkeit der wissenschaftsbasierten Prävention: "In Zeiten von Social Distancing ist es erforderlich, dass wir Abstand zueinander halten, dafür aber als Gesellschaft umso enger zusammenrücken, uns gegenseitig unterstützen und unser Wissen miteinander teilen. Mit Unterstützung der Paracelsus Universität wird im Präventionskonzept der Bundesliga ein wissenschaftlicher Rahmen geschaffen, der den Spielbetrieb bestmöglich absichern soll und von dessen gewonnenen Erkenntnissen auch andere Mannschaftssportarten und gesellschaftliche Bereiche profitieren können."

Foto: iStock/Pixfly