Forschung & Innovation
Publikationen
Konzeption und Steuerung des körperlichen Trainings in der Prävention und Rehabilitation von Herzerkrankungen
PMU Autor*innen
Bernhard Reich, Josef Niebauer
Alle Autor*innen
Bernhard Reich, Josef Niebauer
Fachzeitschrift
Aktuelle Kardiologie
Kurzfassung
Kardiovaskuläre Erkrankungen stellen in industrialisierten Staaten seit Jahrzehnten die häufigste Todesursache dar und sind für etwa ein Drittel aller Sterbefälle sowie erhebliche Krankheitskosten verantwortlich. Zahlreiche Studien belegen die protektive Wirkung regelmäßiger körperlicher Aktivität, insbesondere von Ausdauer- und Krafttraining, auf das Herz-Kreislauf-System. Dennoch erfüllen in Deutschland und Österreich nur etwa ein Viertel der Bevölkerung die aktuellen Bewegungsempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation. Die gleichzeitige Zunahme sitzender Tätigkeiten mit täglichen Sitzzeiten von über 8 Stunden verstärkt das Risiko einer erhöhten Mortalität signifikant. Eine tägliche körperliche Aktivität mittlerer bis höherer Intensität von mindestens 60 Minuten kann diese Risiken weitgehend kompensieren, wird jedoch von der Mehrheit nicht erreicht.
Gemäß den Leitlinien der European Society of Cardiology ist vor Trainingsbeginn eine umfassende klinische Diagnostik, einschließlich Risikostratifizierung und ergometrischer Leistungsanalyse, erforderlich. Auf dieser Basis werden individuelle, risikoadaptierte Trainingspläne im Sinne des Shared Decision Making erstellt. Das FITT-Prinzip (Frequenz, Intensität, Zeit, Typ der körperlichen Aktivität) dient dabei als strukturierendes Konzept zur Festlegung der Trainingsparameter. Zur Kontrolle der Belastungsintensität sind objektive und subjektive Verfahren wie Herzfrequenzmessung, Borg-Skala, Talk-Test, Laktatanalyse und ventilatorische Schwellen, ermittelt in der Spiroergometrie, etabliert.
Regelmäßiges körperliches Training mit einer wöchentlichen Dauer von 150–300 Minuten bei moderater oder 75–150 Minuten bei intensiver Belastung sowie ergänzendem Krafttraining führt zu signifikanten Leistungszuwächsen und einer nachhaltigen Reduktion kardiovaskulärer Risiken. Digitale Interventionen zeigen Potenzial, die Adhärenz zu verbessern, präventive Effekte zu verstärken und die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten langfristig zu erhöhen.