Research & Innovation
Publications
Der Mensch als komplexes System.
PMU Author
Günter Schiepek
All Authors
Günter Schiepek
Abstract
Das Verhältnis der Spezifika eines Einzelfalls und allgemeinen Prinzipien (z. B. der Psychologie oder der Psychotherapie) wurde in den letzten Jahren mehrfach diskutiert und spielt nicht zuletzt für die Bemühungen um Personalisierung in der Psychotherapie eine Rolle. Dieser Beitrag diskutiert mehrere Perspektiven auf das Verhältnis von Einzelfall bzw. Einzelfallbeschreibung (Idiographik) und der Nutzung bzw. Entwicklung allgemeiner Prinzipien und Gesetzmäßigkeiten (Nomothetik), wobei deutlich wird, dass sich diese Perspektiven nicht ausschließen, sondern ergänzen. Eine Perspektive ist dabei die Komplexitätsreduktion, die in der Selbstorganisation komplexer Systeme durch Ordnungsbildung und Informationskompression zustande kommt, aber auch durch Selektion, Abstraktion und Perspektivenabhängigkeit bei jeder Art von idiographischer und nomothetischer Modellbildung. Menschliche Veränderungsprozesse sind in der Regel sehr individuell, komplex und nur begrenzt vorhersehbar, was bedeutet, dass auch in der Praxis geeignete (nichtlineare) Methoden des Prozessfeedbacks und auch Theorien wie Synergetik und Chaostheorie erforderlich sind, die es erlauben, die Dynamik des Einzelfalls zu betrachten (erfassen), zu analysieren und in ihrer Bedeutung zu würdigen.