
Neurologe Univ.- Prof. Dr. Eugen Trinka weltweit unter den meistzitierten Forschenden

Der Vorstand der PMU-Universitätsklinik für Neurologie wurde als „Highly Cited Researcher 2025“ ausgezeichnet – als einziger Salzburger Mediziner. Im Interview erzählt der „forschende Arzt“, warum er sich für die Neurologie und Wissenschaft begeistert. Univ.- Prof. Dr. Eugen Trinka spricht über vielversprechende Entwicklungen in seinem Fachgebiet und wo es noch Aufholbedarf gibt.
Herr Univ.- Prof. Dr. Trinka, was motiviert Sie persönlich am meisten am wissenschaftlichen Arbeiten?
Als Arzt hat man mehrere Funktionen. Aus meiner Sicht kann Medizin nur dann gut betrieben werden, wenn man auch forschend tätig ist. Das dient auch der Reflexion des eigenen Tuns und Verhaltens, als Individuum und auch im Team. Was mich ursprünglich motiviert hat, Medizin zu studieren, war Neugier – am Menschen, insbesondere am kranken Menschen. Wie erlebt er oder sie Krankheit, wie funktioniert der Körper und was kann man bei Problemen dagegen tun? Es geht mir auch darum, kritisch zu hinterfragen und Neuland zu betreten, statt nur bestehendes Wissen zu reproduzieren.
Warum haben Sie sich speziell für die Neurologie entschieden?
Das war ein längerer Weg. In meiner Jugend wollte ich zunächst Koch werden, später habe ich mich für Chemie interessiert. Mit etwa 17 entwickelte ich den Berufswunsch Arzt zu werden. In der Neuroanatomie hatte ich sehr früh das Gefühl, „zu Hause“ zu sein. Für mich ist sie eine der zentralen Schlüsselelemente. Themen rund um das Gedächtnis, die Identität und Entstehung der Autobiografie haben mich damals sehr beschäftigt – also die Frage, was das Wesen eines Menschen ausmacht. All das führt zur Neurologie, denn Erinnern, Denken, Planen und Handeln sind ihr Kern.
Zum Stichwort „Mensch sein“, wie würden Sie sich selbst beschreiben?
Ich würde sagen, ich bin zielstrebig, ausdauernd und sowohl am Menschen als auch am Leben an sich interessiert – und lebe es in vollen Zügen.
Welche Aspekte Ihrer täglichen Arbeit bereiten Ihnen am meisten Freude?
Die erfüllendsten Tage sind jene, an denen ich in Ruhe Visite machen kann, gemeinsam mit dem Team Entscheidungen treffe und Patient*innen behandle. Natürlich gibt es auch mühsame Seiten im Alltag. Unproduktive Sitzungen und Bürokratie sind weniger befriedigend.
In der Forschung ist es besonders schön, wenn etwas gelingt. Eine Publikation macht mehrfach Freude: beim Einreichen, bei der Annahme, beim Erscheinen und später, wenn sie zitiert wird. Noch wichtiger als der formale Erfolg ist aber, dass man mit seiner Arbeit bestehende Sichtweisen oder medizinische Dogmen hinterfragen und weiterentwickeln kann. Über die Jahre sieht man so, dass man tatsächlich etwas bewegt hat. Das erfüllt mich.
Wie lange dauert es durchschnittlich, bis eine wissenschaftliche Publikation entsteht?
Das ist sehr unterschiedlich. Große Projekte mit mehreren Teilstudien und Teams haben oft einen Planungs- und Zeithorizont von drei bis fünf Jahren. Daneben gibt es kleinere Arbeiten, etwa Letters oder Case Reports, die schneller entstehen – oft gemeinsam mit jungen Kolleg*innen oder Studierenden. Diese machen genauso Freude und sind wichtig für die Ausbildung.
Was bedeutet Ihnen die Zusammenarbeit mit jüngeren Kolleg*innen?
Mit der Habilitation übernimmt man die Verantwortung, Wissen, Fertigkeiten und Begeisterung weiterzugeben. Es ist sehr schön zu sehen, wenn junge Menschen ihren Weg gehen. Dass sich ehemalige Kolleg*innen die heute Klinikvorstände sind auch jetzt noch genau an gemeinsame Publikationen erinnern, freut mich. Diese langfristigen Verbindungen und die Möglichkeit, andere zu inspirieren, sind für mich ein zentraler Teil meiner Aufgabe.
Sie zählen zu den meistzitierten Forschenden in Österreich. Was bedeutet dieser Einfluss für Sie, auch in Bezug auf Verantwortung und Gesundheitspolitik?
Das plant man nicht bewusst – man arbeitet kontinuierlich an Themen, die man für wichtig hält. Mit zunehmender Sichtbarkeit wächst aber die Verantwortung, Erfahrungen weiterzugeben. Dabei geht es keinesfalls um persönliche Eitelkeit, sondern darum, Forschung und Weiterentwicklung zu fördern. Ärztinnen und Ärzte haben neben Behandlung, Lehre und Forschung die Aufgabe, gesundheitspolitische Themen anzusprechen – in meinem Fall etwa Prävention und Gehirngesundheit. Wir müssen medizinische Perspektiven verständlich einbringen, gerade wenn ökonomischer Druck steigt. Unser Ziel ist eine gesunde Gesellschaft, und dafür müssen vorhandene Mittel sinnvoll eingesetzt werden.
Welche aktuellen Entwicklungen in Ihrem Fachgebiet halten Sie für besonders vielversprechend – und wo sehen Sie noch Defizite?
Zwei große Entwicklungen stechen hervor: künstliche Intelligenz und Genetik. Die KI ist ein mächtiges Werkzeug, das viele Fragestellungen unterstützen kann. Sie ersetzt jedoch nicht den menschlichen Verstand und muss sinnvoll eingesetzt und integriert werden. Die zweite große Entwicklung sehe ich in der Genetik. In der Neurologie gibt es bereits erste Gentherapien, etwa in der Epileptologie, das war vor 15 Jahren noch kaum vorstellbar. Diese Dynamik ist beeindruckend.
Zu wenig Aufmerksamkeit erhalten aus meiner Sicht Prävention und Public Health. Wenn wir Gesundheitsdaten besser nutzen würden, könnten Prävention und Planung deutlich verbessert werden. Länder wie Skandinavien sind hier schon weiter – da haben wir Aufholbedarf.

































